| PZ |
| dpa |
| 07.07.2026 15:30 Uhr |
Kinder spüren mehr, als Eltern denken. Wer versucht seine Depressionen zu verschweigen, kann ihre Ängste verstärken. / © Adobe Stock/Africa Studio
Eltern wollen ihre Kinder instinktiv schützen und möglichst vor allem Unheil bewahren. Das kann unter anderem dazu führen, dass sie versuchen, eigene Erkrankungen – etwa Depressionen – vor dem Nachwuchs zu verheimlichen.
Aus fachlicher Sicht sei das meist der falsche Weg, so Petra Beschoner, Fachärztin für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin. Denn Kinder spüren in der Regel ganz genau, wenn sich ein Elternteil verändert. »Wenn ihnen niemand erklärt, was los ist, suchen sie eigene Antworten und meist die Schuld bei sich«, so die Fachärztin. Eine Tabuisierung verstärke die Verlust- und Zukunftsängste der Kinder nur.
Die Ärztliche Leiterin der Akutklinik Bad Saulgau rät deshalb zum altersgerechten Gespräch. Reden hilft Kindern dabei, den inneren Zustand und das Verhalten eines depressiven Elternteils besser einzuschätzen.
Zentral sind Beschoner zufolge vier Botschaften, die jedes Kind hören sollte: »Du bist nicht schuld. Ich liebe dich genauso wie vorher. Die Krankheit ist nicht deine Verantwortung. Und Erwachsene kümmern sich um Hilfe.«
Entscheidend sei dann die altersgerechte Vermittlung dieser Botschaften. Bei Kleinkindern reiche oftmals eine einfache Erklärung aus, die man regelmäßig wiederholt. Etwa: »Mama ist krank. Die Krankheit heißt Depression. Deshalb ist sie oft müde oder traurig. Du hast nichts falsch gemacht.«
Grundschulkinder verstehen bereits besser, dass Depressionen eine Krankheit sind, die sich behandeln lässt. Auch hier sollten Eltern das Thema Schuldgefühle frühzeitig ansprechen und vermitteln, dass es nicht Aufgabe des Kindes ist, Mama oder Papa wieder gesund zu machen. Wer bereits in Behandlung ist, kann dem Kind stattdessen mitteilen, dass jemand hilft.
Bei Jugendlichen hält Beschoner zudem die Botschaft für zentral, dass sie ihr eigenes Leben unbeschwert weiterleben, Freunde treffen und Hobbys nachgehen dürfen. Sie dürfen Fragen stellen, sich einbezogen fühlen, aber nicht in die Verantwortung genommen werden. »Wenn sie der Zustand belastet, sollten sie sich jederzeit Unterstützung holen können«, rät die Fachärztin.