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Legalisierung
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Selbst SPD-Politiker warnen vor Cannabis-Freigabe

Der Cannabiskonsum soll nach dem Willen der Koalitionsfraktionen ab dem 1. April teilweise legal sein. Doch kaum hatten diese in der vergangenen Woche ihren Streit beigelegt, erneuerten Politiker der Union ihre Kritik. Selbst SPD-Politiker wollen bei der Abstimmung im Bundestag gegen die Teilfreigabe stimmen. Und auch viele Eltern sind alarmiert: Laut einer Umfrage im Auftrag der Kaufmännische Krankenkasse befürchten sie im Fall einer Legalisierung gesundheitliche Folgen für ihre Kinder.
AutorPZ
Autordpa
Datum 05.02.2024  14:50 Uhr

Erste Überprüfung des Gesetzes schon nach einem Jahr

SPD-Innenpolitiker hatten allerdings kurz nach der Einigung Bedenken geltend gemacht. Dabei ging es etwa um geringere Mindestabstände zu Schulen und Kindertagesstätten beim Cannabiskonsum. In den Koalitionsgesprächen wurde das Gesetzespaket aber nicht noch einmal aufgeschnürt. Lediglich die Überprüfung der Wirksamkeit wurde enger gefasst. Statt erst nach vier Jahren soll sie nun stufenweise erfolgen. Eine erste Evaluation soll es nach einem Jahr geben, die Veröffentlichung der Ergebnisse ist für Ende September 2025 geplant.

Eine zweite Überprüfung gibt es nach zwei und eine abschließende nach vier Jahren. Dabei soll auch die Expertise des Bundeskriminalamts einbezogen werden. Es geht vor allem darum, ob die Regelungen zum Kinder- und Jugendschutz greifen. Gegebenenfalls soll nachgeschärft werden.

Dobrindt: »schwerer Anschlag auf Jugend- und Gesundheitsschutz«

Mit der Einigung in der Koalition ist die Debatte über eins der umstrittensten Projekte der Ampel aber längst nicht abgeschlossen. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt kritisierte den Gesetzentwurf am Freitag als »schweren Anschlag auf den Jugend- und Gesundheitsschutz in Deutschland«. Die Legalisierung werde zu mehr Sucht und weniger Sicherheit gerade junger Menschen führen.

Hessens Innenminister Roman Poseck geht davon aus, dass Dealer sich nicht von ihren Geschäften abhalten lassen. »Da sie sich hierbei nicht an staatliche Kontrollen und steuerliche Vorgaben wie die legalen Produzenten halten müssen, können sie ihre Produkte günstiger und damit für sie gewinnbringend auf den Markt bringen«, sagt der CDU-Politiker. Als Beispiel nennt er den illegalen Zigarettenhandel. Durch einen gesteigerten Cannabis-Konsum könnte zudem die Verkehrssicherheit beeinträchtigt werden, auch wenn es da wie beim Alkohol Grenzwerte für den Konsum gibt.

Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) kündigte eine restriktive Auslegung des Gesetzes durch die bayerische Landesregierung an. »Bayern ist entschlossen, sich mit aller Macht gegen diese verantwortungslose Politik zu stemmen.« Die Planungen für eine »zentrale bayerische Kontrolleinheit« seien in vollem Gange. »Denn wir wollen den Konsum dieser gefährlichen Droge durch einen maximal restriktiven Vollzug des Cannabis-Gesetzes eindämmen - und so weit wie möglich verhindern.«

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