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Impfnebenwirkungen

Schmerzmittel nicht vorsorglich bei Covid-Impfung einnehmen

Aktuelle Empfehlungen

Eine Reihe von Aufsichtsbehörden haben Aussagen zur Verwendung von fiebersenkenden Mitteln rund um den Zeitpunkt der Impfung gemacht. Im Jahr 2015 erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass die Verwendung von fiebersenkenden Mitteln prinzipiell vor oder zum Zeitpunkt einer Impfung nicht empfohlen wird, aber in den Tagen nach der Impfung zugelassen ist. Diese Empfehlung haben die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) der USA übernommen.

Auch die Informationen des Robert-Koch-Instituts zur Covid-Schutzimpfung enthalten die Empfehlung, NSAR beim Auftreten von Schmerzen und Fieber nach der Impfung einzusetzen. Dabei wird Paracetamol als Beispiel ausdrücklich erwähnt.

Grundlegende Fragen sind ungeklärt

Mechanismen, die zu einer Kompromittierung der Immunreaktion aufgrund der Verabreichung von fiebersenkenden Mitteln vor oder nach der Impfung führen könnten, sind nicht gut verstanden. Es wurde jedoch die Möglichkeit diskutiert, dass fiebersenkende Mittel wie Paracetamol und Ibuprofen die Kommunikation zwischen dem angeborenen und dem adaptiven Immunsystem im lymphatischen Gewebe stören könnten, wenn diese Mittel innerhalb von Stunden nach der Impfung eingenommen werden.

Da generell belastbare klinische Daten zur Auswirkung der Antikörperproduktion bei zeitnahem Einsatz von NSAR fehlen, verwundert es nicht, dass derartige Daten für Covid-Impfstoffe erst recht nicht vorliegen. Zwar wurde von einer einfach verblindeten randomisierten Studie zum Astra-Zeneca-Impfstoff berichtet, dass die prophylaktische Einnahme von Paracetamol die Immunogenität des Impfstoffs nicht beeinträchtigte. Allerdings ist dies nicht nachprüfbar, da bisher keine Daten zur Verfügung gestellt wurden.

In der Zulassungsstudie zum Moderna-Impfstoff wurden keine Daten zum Einsatz von NSAR erhoben, während in der Biontech/Pfizer-Studie nur erwähnt wurde, dass der Einsatz von NSAR mit steigenden Dosen zunahm. Daten zur Immunogenität unter Einsatz von NSAR wurden nicht publiziert.

Zukunftsperspektiven

Die Frage nach möglichen negativen Wechselwirkungen zwischen der Verwendung von fiebersenkenden Mitteln und Covid-Impfstoffen ist relevant, da ein nicht vertretbarer Einsatz dieser Medikamente erhebliche Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit haben könnte. Dabei wäre eine suboptimale Induktion des spezifischen Immunsystems nur eine Konsequenz. Eine andere wäre, dass durch ein Abraten des Einsatzes eines fiebersenkenden Arzneimittels möglicherweise zur Folge haben könnte, dass Geimpfte auf eine zweite Dosis verzichten.

Aus diesem Grund wären klinische Studien zu diesem Thema nach Meinung der Autoren sehr wichtig, die im Wesentlichen vier Fragen beantworten sollten:

  1.  Beeinflussen Ibuprofen und Paracetamol die Antikörperinduktion durch Covid-Impfstoffe, und wenn ja, gibt es einen Unterschied in den Antikörpertitern zwischen den beiden Wirkstoffen?
  2. Unterscheidet sich eine mögliche Interaktion mit Antipyretika bei verschiedenen Impfstofftypen (mRNA- versus Nicht-mRNA-Impfstoffe)?
  3. Beeinflusst der Zeitpunkt der Verabreichung von Antipyretika (vor oder unmittelbar nach der Impfung) die Antikörpertiter?
  4. Beeinflusst eine mögliche negative Interaktion nur die Antikörpertiter nach der ersten Dosis, nach der zweiten Dosis oder in beiden Fällen?

Immer mehr Covid-Impfstoffe, die zusammen Milliarden von Dosen repräsentieren, werden zeitnah zugelassen werden. Potenziell könnten für alle diese Impfstoffe frei verkäufliche fiebersenkende Medikamente zur Linderung unerwünschter Ereignisse in Frage kommen. Daher ist es eigentlich nicht akzeptabel, dass zu den theoretischen aber keineswegs unplausiblen Möglichkeiten für eine negative Interaktion zwischen einem NSAR und dem Impfstoff so wenig bekannt ist.

Zwar gibt es im Moment noch keinen Grund, vom Einsatz von NSAR zur Linderung von unerwünschten Arzneimittelwirkungen nach eine Impfung abzuraten. Es kann und sollte allerdings empfohlen werden, diese Mittel nicht prophylaktisch sondern bestenfalls therapeutisch einzusetzen.

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