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Schuppenflechte

Schieflage in der Therapie

Deutschland ist weltweit Vorbild bei der medizinischen Versorgung von Psoriasis-Patienten. Trotzdem gibt es noch viel zu tun. Das zeigte die Pressekonferenz anlässlich des Welt-Psoriasistages 2018, der am 29.Oktober stattfindet.
Christiane Berg
29.10.2018
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»Als genetisch-determinierte, chronisch-rezidivierende Hauterkrankung, die mit der Ausbildung erythematosquamöser Plaques einhergeht, wird die Psoriasis vulgaris von vielfältigen individuellen Faktoren beeinflusst. Ein professionelles Krankheitsmanagement ist unumgänglich«, hob Professor Dr. Ulrich Mrowietz, Leiter des Psoriasis-Zentrums an der Hautklinik des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel, hervor.

Mrowietz betonte, dass etwa 70 Prozent der Patienten von einer leichten Schuppenflechte mit begrenztem Befall der Haut bis zu maximal 10 Prozent der Körperoberfläche betroffen sind. »Etwa 30 Prozent der Patienten leiden unter einem mittelschweren bis schweren Verlauf. Von einer Psoriasis-Arthritis berichten etwa 20 Prozent aller Psoriasis-Patienten«, so der Dermatologe.

Nicht zu unterschätzen seien Co-Morbiditäten, die von Inflammationen der Gefäße, Insulinresistenz und Übergewicht bis hin zu Angststörungen und Depressionen sowie Atherosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall reichen können. »Die mittelschwere bis schwere Psoriasis zählt somit in den Formenkreis der Systemerkrankungen und muss als solche auch behandelt werden«, sagte der Mediziner.

Große Versorgungslücken

»Die Therapie der Psoriasis wird immer individueller und somit zunehmend zu einer Sache der ärztlichen Kunst und Erfahrung«. Der Referent machte deutlich, dass die leichte Psoriasis zumeist äußerlich unter Einsatz topischer Therapiestandards wie Corticoiden (Klasse II-IV) beziehungsweise der fixen Corticoid/Calcipotriol-Kombination behandelt wird, wobei für letztere eine neue Formulierung als Sprühschaum mit verbesserter Wirkung existiert. Bei mittelschweren bis schweren Verlaufsformen könnten systemisch konventionelle Erstlinientherapeutika wie Acitretin, Ciclosporin, Fumarsäureester oder Methotrexat erforderlich werden. Bleibt der Behandlungserfolg hier aus, sei oftmals die systemische »biologische« Erstlinientherapie mit einem Antikörper wie Adalimumab, Brodalumab, Certolizumab, Guselkumab, Ixekizumab oder Secukinumab angezeigt. Alternativ stünden derzeit biologische Second-line-Therapeutika wie Apremilast, Etanercept, Infliximab und Ustekinumab zur Verfügung.

»Trotz aller auf dem Gebiet der Psoriasis-Therapie erzielten Fortschritte sind in der Versorgung immer noch viele Hürden zu überwinden«, unterstrich Professor Dr. Matthias Augustin von der Uniklinik Hamburg-Eppendorf. So mache die leitliniengerechte Psoriasis-Therapie und das wachsende Spektrum an Biologika beziehungsweise Biosimilars mit unterschiedlichen Wirkmechanismen entsprechende Kenntnisse der behandelnden Ärzte notwendig, die jedoch längst nicht immer vorhanden seien. »Spezialisierte Dermatologen erhalten zudem trotz ihres Mehraufwandes oftmals keine faire Vergütung«, ergänzte er. Augustin beschrieb die bundesweiten Gradienten in der Versorgungsqualität als »unakzeptabel hoch«. Insgesamt erhalte nur etwa die Hälfte der Patienten mit schwerer Psoriasis eine leitliniengerechte Behandlung.

Die »erhebliche Schieflage in der Psoriasis-Therapie« kritisierte auch der Geschäftsführer des Deutschen Psoriasisbundes (DPB), Hans-Detlev Kunz aus Hamburg. »Was den DPB zusätzlich umtreibt, sind die finanziellen Aufwendungen und hohen privaten monatlichen Fixkosten von Betroffenen für Cremes, Salben und Shampoos zur Basispflege«, konstatierte er. »Auf- oder Zuzahlungen für die verschriebenen Therapieoptionen in der Apotheke belasten die Psoriasis-Patienten zusätzlich.«

Foto: Fotolia/Michail Petrov

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