| Alexander Müller |
| 01.07.2026 07:00 Uhr |
Ein Umzug der Apotheken auf das eigene Prokas-System gelang nur in der Hälfte der Fälle: »Von den Warenwirtschaftslinien, die wir abgekündigt haben, konnten wir 50 Prozent der Kunden migrieren«, so Böhm. Die Kosten für den Betrieb ließen sich dagegen nicht so schnell herunterfahren, ergänzt Steimel, auch das drücke aufs Ergebnis.
Zehn Updates in den vergangenen sechs Monaten bei Prokas haben Böhm zufolge immerhin die erhofften Effekte gebracht: »Wir haben Prokas stabilisiert. Das merken unsere Kundinnen und Kunden. Wir sehen einen massiven Rückgang der Kundentickets.« Der Noventi-CEO räumt ein, dass im letzten Jahr der Sanierung noch nicht alle Hausaufgaben gemacht worden seien, aber im ersten Halbjahr 2026 sehe man eine spürbare positive Veränderung.
Der zweite Grund für den Umsatzrückgang liegt laut Noventi an der eigenen Konditionenpolitik im Abrechnungsgeschäft. Das mit der Sanierung eingeführte Preistableau hat zu Kundenverlusten geführt. Einige Apotheken, die vor allem nach der AvP-Pleite mit extrem niedrigen Abrechnungsgebühren zu Noventi gelockt wurden, haben die neuen Preise nicht akzeptiert oder Noventi nach Vertragsende verlassen.
Die Kundenzahl im Abrechnungsgeschäft wird von Böhm als »stabil« angegeben. Die neue Konkurrenz der Direktabrechnung spüre man dagegen so gut wie nicht. »Das ist verschwindend gering.« Das deckt sich nicht ganz mit anderen Berichten aus der Branche, die schon gewisse Marktverschiebungen ausmachen.
Was Noventi wie allen Anbietern im Markt eher zu schaffen macht, ist der Rückgang der Zahl der Apotheken auf mittlerweile nur noch rund 16.000. Bei der Abrechnung arrondieren sich die Umsätze noch, doch das WaWi-Geschäft gerät unter Druck. Eine geschlossene Apotheke mit vier Arbeitsplätzen führe vielleicht zu einem neuen Arbeitsplatz in der verbliebenen Nachbarapotheke, erklärt Böhm.
Entsprechend ist auch die Umsatzprognose für 2026 nicht euphorisch. »Jeder weiß, wie es um die GKV-Töpfe steht, wo sollen da Wachstumsfantasien herkommen? Ich sehe jedenfalls kein Wachstum im Apothekenmarkt«, so Böhm. Immerhin bei den neuen Dienstleistungen könnten sich aktive Apotheken positionieren – und Noventi als Dienstleister unterstützen.
Bislang konnte sich Noventi auf das Geschäft mit den Gesundheitsfachberufen (GFB) verlassen. Doch mit ihren GKV-Sparplänen entziehe Bundesgesundheitsministerin Nina Warken leider auch diesem Segment die Wachstumsideen, so Böhm. Die Erträge in diesem Abrechnungsmarkt sind in den vergangenen Jahren allerdings kontinuierlich gestiegen und übertreffen inzwischen das Apothekengeschäft.