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Lichtschutz

Safer Sun wichtiger denn je

Der Dermatologe empfiehlt Sonnenschutzpräparate, die mit einem physikalischen Filter arbeiten, also solche, die Nanopartikel aus Titandioxid oder Zinkoxid enthalten und die Strahlung reflektieren, oder zumindest solche, die in Kombination mit organischen UV-Absorbern funktionieren. Bei diesen anorganischen UV-Filtersubstanzen geht man derzeit davon aus, dass sie nicht durch die oberen Hautschichten dringen und in den Körper gelangen können.

Bei chemischen Filtersubstanzen sieht das etwas anders aus, besonders der Lichtfilter Octocrylen ist in die Kritik geraten. Er scheint unter bestimmten Bedingungen vom Körper resorbiert werden zu können. Als Partialagonist am Estrogenrezeptor gehört zumindest Octocrylen zu den hormonaktiven Substanzen und gilt deshalb als endogener Disruptor. Außerdem soll es reproduktionstoxisch wirken. Übrigens genauso wie sein photomutagenes Abbauprodukt Benzophenon.

Erst vor wenigen Monaten hatten französische Forscher eine Studie veröffentlicht, bei der sie 17 herkömmliche Sonnenschutzprodukte künstlich im Labor altern ließen und dann auf bedenkliche Stoffe untersuchten. Bei 16 von 17 getesteten Produkten fanden sie deutlich erhöhte Benzophenon-Konzentrationen. Dieses entsteht bei der Lagerung durch eine Retro-Aldolkondensation. »Bislang galt der Einsatz von Octocrylen als unbedenklich, sofern bei Patienten keine Photoallergie gegen Ketotifen bestand.

Diese Forschungen zeigen jedoch, dass der Einsatz zu überdenken ist, da das Vorhandensein von Benzophenon nicht ausgeschlossen werden kann«, teilte die Deutsche Dermatologische Gesellschaft mit. Die Überwachungsbehörden seien nun aufgefordert zu prüfen, ob in Deutschland verkaufte Octocrylen-haltige Sonnenschutzmittel bedenkliche Konzentrationen von Benzophenon enthalten. Mittlerweile werben einige Marken mit Hinweisen auf der Packung für eine Octocrylen-freie Formulierung.

Zum Schutz vor Sonnenbrand und zur Risikoreduzierung von Hautkrebs sollten immer frische Sonnenschutzpräparate verwendet werden, rät die Fachgesellschaft. Ein Blick auf das Haltbarkeitsdatum allein reiche nicht. Tuben und Spraydosen, die häufig hohen Temperaturen ausgesetzt waren, weil sie zum Beispiel in der Strandtasche transportiert wurden, und aus dem Vorjahr stammen, sollten sicherheitshalber entsorgt werden, auch wenn das Haltbarkeitsdatum noch nicht überschritten ist.

Und auch unter dem Aspekt der Umweltverträglichkeit ist Octocrylen in der Vergangenheit negativ aufgefallen. Octocrylen, aber etwa auch Octinoxat und Oxybenzon schädigen das Erbgut von Korallen und Fischen. Weil sie sich nur langsam abbauen, reichern sie sich in den Korallen an und führen zur Korallenbleiche. Bunt belebte Riffe verkommen mit der Zeit zu kargen Wüsten. Einige Länder haben der Sache nun einen Riegel vorgeschoben und haben solche Sonnenschutzmittel aus Umweltschutzgründen verboten, etwa auf Hawaii, den US-amerikanischen Jungfrauen-Inseln, den Marschall-Inseln sowie der pazifischen Insel Palau oder auf der zu den Niederlanden gehörenden karibischen Insel Bonaire.

»Bei den chemischen Lichtschutzfiltern sind noch viele Fragen offen«, fasst Hubatsch zusammen. »Wir wissen heute, dass die Haut ein den Menschen vor äußeren Einflüssen schützendes taktiles Sinnesorgan ist, das zweitgrößte nach dem Gehirn. In Anbetracht der Tatsache, dass die Haut endokrinologisch arbeitet und dort nicht nur Melanozyten-stimulierendes Hormon, sondern auch Follikel-stimulierendes Hormon und andere Hormonvorstufen gebildet werden, wäre ich mit bloßen chemischen Lichtfiltern auf die Dauer gesehen eher zurückhaltend.«

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