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Modellierungsstudie

Rückschritt bei Routineimpfungen in der Pandemie

Laut der jetzt veröffentlichten Modellierungsstudie lag die geschätzte Durchimpfungsrate im Jahr 2020 weltweit für DTP3 bei 76,7 Prozent und für MCV1 bei 78,9 Prozent. Für die DTP3-Impfung bedeutet dies ein Defizit von 7,7 Prozent gegenüber Schätzungen, die ohne den Einfluss der Pandemie gemacht wurden. Für die MCV1-Impfung beträgt das pandemiebedingte Defizit 7,9 Prozent.

Am stärksten brach die Durchimpfungsrate im April 2020 ein. In diesem Monat fiel die globale Anzahl der verabreichten Dosen an DTP3 um 31,3 Prozent und die der MCV1-Impfungen um 30,1 Prozent im Vergleich zu den erwarteten Werten. Zwischen Mai und Dezember 2020 schien sich die Impfrate wieder zu verbessern, wobei sich die geschätzten monatlichen verabreichten Dosen bis zum Ende des Jahres den erwarteten Werten annäherten.

Von allen betrachteten Weltregionen war in Südasien der größte Rückgang an Impfungen zu verzeichnen. Dort sanken im April 2020 die verabreichten DTP3-Dosen im Vergleich zu den erwarteten Werten um 58,3 Prozent und die MCV1-Dosen um 43.1 Prozent. Im Gegensatz dazu lagen in Nordafrika und im Nahen Osten die jährlich verabreichten DTP-3-Dosen um 11,0 Prozent unter den erwarteten Werten, die der MCV1-Dosen um 18,9 Prozent.

In Afrika südlich der Sahara wurden nur kleinere akute Unterbrechungen bei den verabreichten Dosen (minus 3,8 Prozent für DPT3 und minus 4,4 Prozent für MCV1) registriert. Diese Muster könnten mit dem vergleichsweise geringeren Ausmaß der Covid-19-Pandemie im Untersuchungszeitraum in dieser Region zusammenhängen. Dagegen war das Pandemiegeschehen in vielen entwickelten Ländern, darunter auch den USA, zu diesem Zeitpunkt sehr hoch. Das hatte zur Folge, dass im April 2020 in diesen reicheren Staaten die Zahl der verabreichten DTP3-Dosen um 22,1 Prozent und die der MCV1-Dosen um 20,5 Prozent abnahm. Danach kam es auch in diesen Ländern wieder bis Dezember 2020 zu einer teilweisen Erholung.

Rückschritt um mehr als 20 Jahre

Die hier modellierten umfangreichen Zahlen sind von großer Relevanz. Sie deuten an, dass weltweit die geschätzte Durchimpfungsrate im Jahr 2020 für DTP3 auf ein Niveau fiel, das zuletzt 2008 erreicht wurde. Die geschätzte Durchimpfungsrate für MCV1 fiel im gleichen Zeitraum auf 78,9 Prozent, ein Niveau, das seit 2006 nicht mehr erreicht wurde.

Auch wenn seit dem Tiefpunkt im April 2020 eine leichte Erholung einsetzte, ist das Problem immer noch hochrelevant. Denn in absoluten Zahlen ausgedrückt warteten Ende 2020 noch immer 8,5 Millionen Kinder auf eine DTP3-Impfung und 8,9 Millionen Kinder auf eine MCV1-Impfung.

Zudem stellt Covid-19 auch im Jahr 2021 immer noch eine gewaltige Bedrohung für einen ausreichenden Impfschutz für Kinder dar, nicht zuletzt auch deshalb, da durch neue Varianten neue Übertragungs- und Krankheitsszenarien wahrscheinlich sind. Ohne konzertierte Bemühungen, nach Abklingen der Pandemie die Defizite bei den Routineimpfungen aufzuholen und die Impfraten zu erhöhen, werden die Kinder dieser Welt durch die Einbrüche bei den Impfungen einem erhöhten Risiko ausgesetzt sein, an impfpräventablen Krankheiten zu erkranken.

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