Pharmazeutische Zeitung online
Studie

Risiko für frühe Fehlgeburten könnte im Sommer steigen

In einer Studie aus den USA war das Risiko für eine Fehlgeburt innerhalb der ersten acht Schwangerschaftswochen für Frauen in Nordamerika im August um 44 Prozent höher als im Februar. Einem möglichen Zusammenhang zu extremer Hitze sei künftig nachzugehen, meinen die Studienautorinnen und -Autoren.
Carolin Lang
04.07.2022  16:30 Uhr
Risiko für frühe Fehlgeburten könnte im Sommer steigen

»Bis zu 30 Prozent der Schwangerschaften enden mit einer Fehlgeburt«, heißt es in der Publikation, die kürzlich im Fachjournal »Epidemiology« erschien, wobei Fehlgeburt als ein Schwangerschaftsverlust vor der 20. Schwangerschaftswoche definiert ist. Doch seien bislang nur wenige Risikofaktoren für solch einen Spontanabort bekannt, schreibt die Arbeitsgruppe um Erstautorin Dr. Amelia Wesselink von der Boston University School of Public Health (BUSPH). Um mögliche Hinweise auf solche Risikofaktoren zu identifizieren, untersuchte sie nun in einer prospektiven Kohortenstudie, inwieweit das Fehlgeburtsrisiko saisonal variiert.

Dazu wertete das Team Daten aus der sogenannten PRESTO-Studie aus. Bei dieser Online-Studie werden Frauen aus den USA und Kanada, die einen akuten Kinderwunsch hegen, bereits vor der Empfängnis bis sechs Monate nach der Entbindung begleitet. Alle Teilnehmerinnen machen Angaben zu soziodemografischen Merkmalen, ihrem Lebensstil sowie ihrer medizinischen Vorgeschichte. Wesselink und ihr Team fokussierten sich in ihrer Studie nun auf 6104 Studienteilnehmerinnen, die zwischen 2013 und 2020 aufgenommen und innerhalb von einem Jahr nach der Aufnahme schwanger wurden. Die Probandinnen machten Angaben über das Datum von Schwangerschaftsverlusten sowie über die Anzahl der Schwangerschaftswochen zum Zeitpunkt des Verlustes. Mithilfe von Regressionsmodellen schätzte die Arbeitsgruppe das saisonale Risiko ab.

Erhöhtes Risiko im Sommer

Bei etwa 20 Prozent der Frauen kam es zu einem Spontanabort. Wie aus einer Pressemitteilung der BUSPH hervorgeht, hatten schwangere Frauen in Nordamerika Ende August ein um 44 Prozent höheres Risiko für eine Fehlgeburt innerhalb der ersten acht Schwangerschaftswochen als sechs Monate zuvor im Februar. Das Risiko einer Fehlgeburt während einer beliebigen Schwangerschaftswoche war demnach Ende August um 31 Prozent höher als Ende Februar. Geographisch gesehen waren Frauen, die im Süden und im mittleren Westen der USA leben, wo die Sommer am heißesten sind, eher von einem Spontanabort Ende August beziehungsweise Anfang September betroffen.

»Wir fanden heraus, dass das Fehlgeburtsrisiko, insbesondere das Risiko einer ›frühen‹ Fehlgeburt vor acht Wochen Schwangerschaft, im Sommer am höchsten war. Jetzt müssen wir das genauer untersuchen, um zu verstehen, welche Einflüsse im Sommer verstärkt vorkommen und das erhöhte Fehlgeburtsrisiko erklären könnten«, kommentiert Wesselink.

Mehr von Avoxa