Infektionen mit resistenten Keimen – längst nicht nur Bakterien – betreffen oft Patienten mit Vorerkrankungen, Immunschwäche oder hohem Alter. Ein großes Problem sind invasive Mykosen. / © Shutterstock/Frame Stock Footage
Als Alexander Fleming 1928 das Penicillin entdeckte, begann eine neue Ära der Medizin – und mit ihr unbemerkt auch das Wettrüsten zwischen Mensch und Mikrobe.
Fast ein Jahrhundert später scheinen die pathogenen Mikroorganismen wieder die Oberhand zu gewinnen. Und das betrifft längst nicht nur Bakterien. Pilze, Viren und Parasiten entwickeln ebenfalls Strategien, um sich vor Arzneimittelangriffen zu schützen. Das gefährdet die Behandlung schwerer Infektionen wie invasiver Mykosen, HIV oder Malaria. Resistenzen sind schwer zu adressieren, da es sich um komplexe Phänomene handelt und es keinen einheitlichen Mechanismus gibt.
Grundsätzlich lassen sich zwei Typen unterscheiden: Bei der Primärresistenz ist der Erreger von vornherein unempfindlich, sei es durch angeborene genetische Merkmale oder weil bereits resistente Stämme zirkulieren. Eine Sekundärresistenz entsteht hingegen erst unter dem Druck der Therapie, wenn Mikroorganismen durch Mutationen oder Genübernahmen unempfindlich werden. Die Folgen für den Patienten sind letztlich gleich.
Beispiel Pilzinfektionen: Hier sind die Therapieoptionen ohnehin begrenzt. Wenn primäre oder sekundäre Resistenzen auftreten, kann das zu Therapieversagen führen und das Sterberisiko bei invasiven Mykosen erhöhen. Resistenzen gegen Antimykotika nehmen leider zu. Es stehen ohnehin nur wenige Wirkstoffklassen systemisch wirksamer Antimykotika zur Verfügung, die wegen ihren Nebenwirkungen und dem Interaktionspotenzial meist ohnehin problematisch sind.
Die Zahl der Patienten mit invasiven Mykosen, vor allem der invasiven Candidose oder Aspergillose, steigt zudem, begünstigt durch oft lebensrettende Maßnahmen wie Chemotherapie, Organtransplantationen oder Immunsuppressiva. Hinzu kommen neue Risikogruppen, etwa Patienten mit COPD, Leber- oder Nierenerkrankungen, sowie COVID-19-assoziierte Pilzinfektionen wie Aspergillose, Mukormykose und Candidämie (1, 2).