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Schleichende Gefahr
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Resistenzen jenseits von Antibiotika

Die drohende postantimikrobielle Ära betrifft auch Pilze, Viren und Parasiten. Forscher weltweit suchen nach neuen Wegen, um Resistenzmechanismen auszuhebeln.
AutorKontaktNicole Schuster
Datum 18.01.2026  08:00 Uhr

Forschung an Breitband-Antiviralia

Ideal wären – nicht nur im Pandemiefall – Wirkstoffe mit einem breiten Wirkspektrum gegen verschiedene Viren. Daran wird zum Beispiel im EU-geförderten Projekt »Vigilant« unter der Koordination des Deutschen Primatenzentrums (DPZ) gearbeitet.

Ziel von »Vigilant« ist es, Wirkstoffe zu entwickeln, die nicht nur gegen einzelne Viren wirken, sondern grundlegende Schritte des viralen Lebenszyklus hemmen und damit auch gegen neu auftretende Erreger einsetzbar sind. Im Fokus stehen virale Hüllproteine, die als molekulare »Schlüssel« für den Eintritt in Wirtszellen fungieren. Gelingt es, diesen Prozess zu blockieren, wird die Virusvermehrung unabhängig vom konkreten Erregertyp unterbrochen. Dieser Ansatz könnte zu Breitbandmedikamenten führen (36).

Resistenzen bei Antiparasitika

Auch Parasiten können resistent werden (Kasten). Malariaerreger wie Plasmodium falciparum zeigen in Südostasien und mittlerweile auch in Teilen Afrikas Resistenzen gegen Artemisinin-Derivate, die eine Zeit lang als letzte verlässliche Waffe galten.

Wurmerkrankungen (Helminthosen) sind ebenfalls von zunehmender Resistenz betroffen. In der Veterinärmedizin sind seit Jahren resistente Erreger gegen Benzimidazole, etwa Albendazol und Mebendazol, bekannt; diese werden inzwischen auch bei humanpathogenen Helminthen beobachtet. Ursächlich sind meist Mutationen in β-Tubulin-Genen, die zu Veränderungen an der β-Tubulin-Bindungsstelle führen. Diese verhindern, dass der Wirkstoff an sein Zielmolekül binden kann.

Da viele Entwurmungsprogramme in Endemiegebieten auf wenigen Substanzen basieren, begünstigt der wiederholte Masseneinsatz die Selektion resistenter Stämme (37–39).

Unter den Protozoen zeigen zum Beispiel Leishmania-Spezies (Erreger der Leishmaniose) Resistenzen gegen Antimonpräparate, Amphotericin B und Miltefosin – dies vor allem in Endemiegebieten in Südasien und Ostafrika. Die Resistenzentwicklung ist oft durch den massiven und teilweise unkontrollierten Einsatz der Medikamente bedingt (40).

Trypanosomen wie Trypanosoma brucei (Schlafkrankheit) und Trypanosoma cruzi (Chagas) entwickeln zunehmend Resistenzen gegen Antiprotozoenmittel wie Pentamidin, Suramin oder Nifurtimox. Ursachen sind auch hier Therapieausfälle, suboptimale Dosierung und breitflächiger Einsatz über Jahrzehnte. Neue Zielstrukturen wie Glykosomen-Membranproteine sollen künftig die Therapieoptionen erweitern (41).

Noch gibt es für viele Parasiten keine standardisierte molekulare Schnelltestung auf Resistenzen. Das erschwert die korrekte Therapie.

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