Bei anderen Antiviralia, die längere Zeit genommen werden müssen, gibt es ähnliche Probleme. Beim Hepatitis-B-Virus (HBV) gibt es relevante Resistenzen vor allem gegen ältere Nukleosid-analoga wie Lamivudin. Moderne Substanzen wie Tenofovir und Entecavir weisen eine bessere Resistenzbarriere auf und sollen bevorzugt eingesetzt werden (26).
Bei der Therapie von Hepatitis C können Resistenz-assoziierte Varianten (RAV) die Wirksamkeit direkt antiviral wirkender Substanzen (DAA) beeinträchtigen. Als Beispiel: Bei Resistenzen gegen Inhibitoren des Nichtstrukturproteins 5A (NS5A) wie Elbasvir oder Ledipasvir können die selektierten Varianten über Jahre persistieren, während sie bei NS3- und NS5B-Resistenzen meist nach Monaten bis etwa einem Jahr wieder verschwinden. Nach DAA-Versagen sind bei 80 bis 90 Prozent der Patienten RAV nachweisbar. Die Resistenzsituation hängt auch vom Genotyp des Hepatitis-C-Virus ab (27).
Influenza-, vor allem Influenza-A-Viren, bilden Resistenzen gegen Neuraminidase-Inhibitoren wie Oseltamivir und gegen Amantadin, das wegen der ausgeprägten Resistenz nicht mehr empfohlen wird (28, 29). Bei Herpesviren (HSV 1/2, VZV, CMV) beobachten Ärzte eine Resistenz gegen Aciclovir oder Ganciclovir meist nach Langzeitbehandlung bei immunologischen Risi-kopatienten (30, 31). SARS-CoV-2 zeigt bisher noch keine flächendeckenden Resistenzen gegen antivirale Substanzen wie Remdesivir oder Nirmatrelvir/Ritonavir (Paxlovid®) in der Klinik (32).
Die rasche Resistenzentwicklung geht vor allem auf die hohe Mutationsrate vieler Viren zurück. Die Polymerase macht immer wieder Fehler bei der Virus-DNA- oder -RNA-Replikation. Einige Mutationen können Veränderungen in viralen Proteinen bewirken, die die Bindung oder Wirkung von Virustatika vermindern oder verhindern. Die genetische Variabilität ermöglicht es dem Virus, sich schnell anzupassen. Die Resistenzentwicklung wird durch unzureichende Therapieadhärenz, Monotherapie oder subtherapeutische Wirkstoffspiegel begünstigt.
Viren verlieren durch eine Resistenzmutation bisweilen aber ihre Vermehrungsfähigkeit, weshalb nicht alle Mutationen klinisch relevant werden.
Weltweit wird an neuen Medikamenten geforscht, die Resistenzen überwinden oder unterbrechen können. / © Shutterstock/PeopleImages
Wenn verfügbar, kann bereits vor Therapiebeginn ein Test zum Nachweis und zur Differenzierung spezifischer Resistenzmutationen erfolgen (33, 34). Kombinationen mehrerer antiviraler Substanzen mit unterschiedlichen Angriffspunkten helfen, das Risiko der Resistenzentwicklung zu verringern, und es können synergistische Effekte genutzt werden.
Wenn keine potente Alternativtherapie zur Verfügung steht, können Patienten an klinischen Studien mit neuen Substanzen teilnehmen und bei schwerwiegenden oder lebensbedrohlichen Erkrankungen möglicherweise auch an Härtefallprogrammen (Compassionate Use) neuer experimenteller Virustatika (35). Bei einigen Viren, etwa Influenza oder SARS-CoV-2, kann zusätzlich auf unterstützende, nicht medikamentöse Maßnahmen zurückgegriffen werden.