Die genannten und viele weitere Resistenzen bei Pilzen, Viren und Parasiten führen dazu, dass Behandlungslücken größer werden und die Sterblichkeit steigt. Einige der Resistenzen betreffen uns in Deutschland (noch) nicht. Im Sinne des One-Health-Ansatzes sind Resistenzen jedoch global zu denken. Menschen, Nutz- und Wildtiere sowie unsere Ökosysteme sind weltweit eng miteinander verwoben und Störungen an einer Stelle wirken sich schnell anderswo aus.
Bei zoonotischen Infektionskrankheiten oder der Ausbreitung antimikrobieller Resistenzen ist der Ansatz besonders relevant, weil Lösungen nur gemeinsam funktionieren (42). Globale Surveillance-Systeme, die frühzeitig neue Resistenztrends erkennen, konsequente Prävention durch Impfprogramme, strikte Hygienemaßnahmen und ein rationaler restriktiver Einsatz antimikrobieller Mittel in Human- und Veterinärmedizin sowie der Landwirtschaft können helfen, dass Behandlungslücken nicht noch größer werden.
Auch die Apothekenteams können gegen Resistenzentwicklungen aktiv werden. Eine konsequente Adhärenzberatung ist gerade bei antiviralen Dauertherapien (zum Beispiel gegen HIV, Hepatitis B) wichtig. Hier kann eine unregelmäßige Einnahme schnell zur Selektion resistenter Varianten führen. Das Apothekenteam kann Patienten an Einnahmezeitpunkt und Handhabung erinnern und ihnen erklären, wie sie mit vergessenen Dosen umgehen sollen (43).
Eine solide Beratung kann das Therapieverständnis verbessern – auch dies beugt falschem Arzneimitteleinsatz und Resistenzbildung vor. / © Shutterstock/PeopleImages
Als allgemeines Prinzip der Antimikrobielle-Resistenz-(AMR)-Prävention betrifft das – neben Antibiotika – sowohl orale Antiviralia als auch Antimykotika und Antiparasitika. Apotheker können komplexe Therapien auf ihr Interaktionspotenzial überprüfen. Viele Azole sind starke CYP-Hemmstoffe und verändern die Plasmaspiegel zahlreicher Arzneimittel. CYP-Induktoren wie Rifampicin wiederum können antiretrovirale Spiegel so weit senken, dass Therapieversagen droht.
Das Apothekenpersonal kann zudem Risikopatienten erkennen und besonders intensiv beraten und bei Bedarf an einen Infektiologen verweisen. Zur Risikogruppe, für die Resistenzen besonders kritisch sein können, zählen immunsupprimierte Menschen (Post-Transplantation, Chemotherapie), onkologische Patienten, aber auch vulnerablere Gruppen wie ältere Menschen. Reisende mit VFR-(Visiting Friends and Relatives-)Status benötigen ebenfalls besondere Aufmerksamkeit (44).
Nicole Schuster studierte zwei Semester Medizin, dann Pharmazie und Germanistik in Bonn und später in Düsseldorf. Während ihres Studiums machte sie Praktika bei verschiedenen wissenschaftlichen Verlagen. Nach der Approbation absolvierte Schuster ein Aufbaustudium in Geschichte der Pharmazie in Marburg und wurde 2016 zum Doktor der Naturwissenschaften promoviert. Die PZ-Leser kennen Schuster als Autorin zahlreicher Fachbeiträge.