| Melanie Höhn |
| 07.05.2026 16:20 Uhr |
Die Autorin, Rednerin und Unternehmerin Kerstin Plehwe beschrieb beim Kongress mit ihrem Denkansatz »Die neuen Tugenden der Zukunftsmacher« eine Gesellschaft im tiefgreifenden Umbruch, in der klassische Sicherheiten zunehmend verschwinden. Sie spricht von einem grundlegenden Wegfall von Berechenbarkeit.
Dort, wo Sicherheit fehle, sei vor allem Vertrauen als Stabilitätsanker notwendig wird. Viele Menschen würden sich fragen: »Was ist Wahrheit und wem kann ich noch vertrauen?« Wenn diese Unsicherheit zunehme, könne dies zu »Dauerskepsis oder Rückzug« führen.
»Ich glaube, dass unsere Gesellschaft aufgrund der Entwicklungen im Dauerstress ist«, sagte Plehwe. Dieser Zustand sei geprägt von »Permakrisen und geopolitischer Unsicherheit«, technologischer Beschleunigung, Innovationsdruck, Polarisierung, Populismus, Desinformation sowie wachsendem Bürokratie- und Kostendruck. Diese Dynamiken würden zu einer Erosion gesellschaftlicher Stabilität führen, die sich auch in Wahlverhalten und Werteorientierungen widerspiegele. Besonders kritisch sieht sie die zunehmende Desinformation, bei der es teilweise nicht mehr möglich sei zu unterscheiden, ob beispielsweise ein Video real sei.
Vor diesem Hintergrund vergleicht sie die Gesellschaft mit einem überlasteten Immunsystem. Wie im Körper könne eine dauerhafte Überlastung zu Entzündungen, Erschöpfung oder sogar zum Zusammenbruch führen. Entsprechend sinke auch in Organisationen die Handlungsfähigkeit, je stärker der äußere Druck wachse. Obwohl eigentlich proaktives Handeln nötig wäre, müsse Resilienz zunächst neu gelernt werden.
Zentral war für Plehwe die Frage, wie Resilienz überhaupt entstehen kann. »Nur in einem gesamt-resilienten System können resiliente Individuen leben.« Nachhaltigkeit und andere zentrale gesellschaftliche Werte stünden unter enormem Druck. Dabei sei das Problem nicht ein Mangel an Wissen, sondern dessen Umsetzung. Ihre Antwort darauf ist nicht primär mehr Regulierung, sondern ein »neuer Stil«: Mut und Verantwortung als Schlüssel. Dieser Mut sei jedoch unbequem, denn er bedeute auch, anzuerkennen, »in welcher Situation wir sind«, ohne zu moralisieren, sondern mit realistischer Analyse.
Mut bedeute außerdem, Konsequenzen mitzudenken und neue Formen des Miteinanders zu entwickeln. Dazu gehöre Empathie ebenso wie der Schutz der eigenen Stärke sowie die Fähigkeit, auf allen Ebenen neu zu denken und Innovation zu fördern. Man müsse sich immer wieder fragen: »Wo ist in den aktuellen Schwierigkeiten die Chance?« Gemeinsame Lösungen bräuchten gemeinsame Werte und Ziele.
Auch im Gesundheitskontext verweist sie auf strukturelle Herausforderungen wie fragile Lieferketten, die sowohl Angst als auch rationale Handlungsnotwendigkeiten erzeugen. Die Zukunft entstehe dabei nicht allein durch Resilienz, sondern durch Anpassung und aktive Neugestaltung. Ebenso wichtig sei eine veränderte Kommunikation: Entscheidend sei echtes Zuhören und nur durch aufmerksames Zuhören könnten bessere Fragen entstehen.
In diesem Sinne plädierte sie für eine neue Form von Führung, die auch Unsicherheit aushält und Mut stärker belohnt, um eine Grundlage für eine Gesellschaft zu schaffen, die nicht n Unsicherheit erstarrt, sondern handlungsfähig bleibt.