| Melanie Höhn |
| 07.05.2026 16:20 Uhr |
Maria Paola Chiesi, Vizevorsitzende des italienischen Pharmaunternehmens Chiesi und Leiterin der Chiesi Foundation, sprach beim Kongress »WeAct Con« von Resilienz als einer »Fähigkeit, sich anzupassen, zu lernen und die Zukunft gemeinsam zu gestalten«. Kein einzelnes Unternehmen könne dies allein leisten – notwendig seien Partnerschaften für ein gemeinsames Gesundheitswesen. Ziel sei es auch, gemeinsam zu reflektieren, in welcher Art von Gesundheitssystem man leben wolle und Resilienz nicht als abstraktes Konzept zu sehen, sondern als konkrete Gestaltungsaufgabe zu begreifen.
Zudem sprach sie von einer zunehmenden »sustainability fatigue«, also einer Ermüdung gegenüber Nachhaltigkeitsdebatten in einer Zeit, in der sich Krisen aneinanderreihen. »Wir gehen von einer Krise in die nächste«, beschreibt sie die Dynamik und warnte davor, dass solche dauerhaften Disruptionen, wenn sie nicht aktiv gesteuert werden, zu einer Schwächung der Wirtschaft führen können. Zugleich sei klar, dass »die alte Welt wahrscheinlich nicht mehr da ist, aber die neue Welt ist risikoreicher«. Vor diesem Hintergrund plädierte sie dafür, Resilienz, Fairness und Nachhaltigkeit gemeinsam zu denken.
Um der Ermüdung gegenüber Nachhaltigkeit entgegenzuwirken, sei es entscheidend, nicht bei abstrakten Zielbildern zu bleiben, sondern konkret zu zeigen, dass Veränderung möglich ist. »Der Aufbau widerstandsfähiger Wirtschaftssysteme beginnt mit einem klaren Bekenntnis«, so Chiesi. Für sie bedeutet das auch eine grundsätzliche Haltung von Unternehmen: »Wir glauben, dass Unternehmen für etwas Größeres stehen sollten, um eine dauerhaft positive Wirkung für die Menschen und die Welt zu erzielen.«
Zugleich macht sie deutlich, dass dieser Wandel nicht isoliert gelingen kann. Es sei wichtig, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen, um von der »Absicht ins Handeln zu kommen«.
Auch Leonardo Mallmann, Geschäftsführer von Chiesi, betonte die Stärken, aber auch die wachsenden Belastungen des Gesundheitssystems. Zwar verfüge Deutschland über ein starkes Gesundheitswesen mit engagierten Fachkräften und bewährten Strukturen, doch stehe dieses zunehmend unter Druck, etwa durch fragile Lieferketten. In dieser Situation brauche es mehr Priorisierung und Aufmerksamkeit, auch wenn Ressourcen knapp seien. Besonders deutlich werde, dass aus diesem kurzfristigem Stress inzwischen ein dauerhafter Zustand geworden sei.
Für Mallmann bedeutet Resilienz daher nicht nur die Fokussierung auf Krisen, sondern vor allem die Fähigkeit, Handlungsfähigkeit zu erhalten, Versorgung zu sichern und die Menschen im System , körperlich wie psychisch, zu schützen. Resilienz baue dabei auf bestehenden Strukturen auf und sei keine Aufgabe einzelner Organisationen, sondern eine systemweite Verantwortung. »Silos bremsen uns aus, Zusammenarbeit kann Handlungsfähigkeit erhöhen«, erklärte er.
Ein resilientes Gesundheitssystem lebe dabei auch vom Lernen und von der Nutzung von Synergien. Ziel sei es, ein gemeinsames Verständnis zu schaffen und daraus konkrete, umsetzbare Schritte abzuleiten. Sein Fazit: »Die Zukunft unseres Gesundheitssystems entsteht nicht im Alleingang.«