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Dysmenorrhö
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Regelschmerzen lösen oder hemmen?

Vor allem die jüngeren Frauen haben mitunter krampfartige Schmerzen während der Periode. Die Einnahme eines Analgetikums scheint dann naheliegend. Dabei könnte das Butylscopolamin ursächlicher wirken. Und auch die Pflanzenheilkunde hat Plausibles zu bieten. 
AutorKontaktElke Wolf
Datum 14.05.2024  07:00 Uhr

Neues vom Mönchspfeffer

Der Mönchspfeffer ist in der Frauenheilkunde keine Unbekannte. Trockenextrakte aus seinen Früchten werden seit jeher gegen Beschwerden des Prämenstruellen Syndroms (PMS) und Zyklusunregelmäßigkeiten eingesetzt, auch eine krampflösende Wirkkomponente ist in vitro nachgewiesen. Entsprechende Präparate gibt es hierzulande zwar schon lange, doch erst seit rund zwei Jahren eine Zubereitung, die der Well-established-use-Monographie der Europäischen Arzneimittelagentur EMA entspricht.

Der Extrakt, der sich in Studien besonders effektiv zeigte, stammt ursprünglich aus der Schweiz und war in Deutschland nicht erhältlich. Dabei wurden Tagesdosierungen von 20 mg Trockenextrakt verwendet. In Agnucaston® 20 mg sind die Wirkstoffe des Mönchspfeffers fünffach höher konzentriert als in allen bisher in Deutschland erhältlichen Präparaten. Agnolyt®, Femicur®, Agnus sanol® oder das ursprüngliche Agnucaston® enthalten zwar ähnliche Trockenextrakte, allerdings weiterhin eine niedrigere Extrakt-Tagesmenge von 4 mg. Wegen der schwächeren Studienlage rechnet sie die EMA dem traditional use zu. Die Einnahme sollte durchgängig über den gesamten Zyklus erfolgen.

Auch in Sachen Wirkmechanismus des Mönchspfeffers hat sich etwas getan: Forscher berichteten vor kurzer Zeit im Fachjournal »Planta Medica« über die hemmende Wirkung eines ethanolischen Mönchspfeffer-Fruchtextrakts auf bedeutende Endothelzellfunktionen bei der Angiogenese. Diese Blutgefäßneubildung spielt eine zentrale Rolle bei der Erneuerung der Uterusschleimhaut im Zuge des Menstruationszyklus. Zwar sind das nur erste präklinische In-vitro-Daten, doch sie sind ein zusätzlicher Puzzlestein des Wirkmechanismus auf molekularer Ebene. Sie könnten ein weiterer Erklärungsansatz für die Wirksamkeit bei PMS und Regelbeschwerden sein.

Schafgarbenkraut wird dagegen schon lange traditionell bei schmerzhaften Krämpfen im Magen-Darm-Bereich und während der Menstruation eingesetzt. Präklinische Daten zeigen einen spasmolytischen Effekt auf die glatte Muskulatur sowie einen analgetischen Effekt. Klinisch stützt dies eine doppelblinde randomisierte Studie mit 90 Teilnehmerinnen. Dabei linderte ein Schafgarbenkraut-Trockenextrakt die schmerzhaften Menstruationskrämpfe ab der ersten Behandlung signifikant. Kadezyklus® mit Schafgarbe zur akuten Anwendung kann laut Herstellerangaben immer dann eingenommen werden, wenn die Periode krampfartig verläuft, also akut, wenn Schmerzen auftreten. Auch die kombinierte Einnahme mit Analgetika oder mit Butylscopolamin sei möglich.

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