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Mögliche Impfpflicht
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Rationale Argumente können Impf-Ängste noch verstärken

Ungeimpfte haben oft irrationale Angst vor der Covid-19-Impfung. Rationale Argumente würden nicht viel helfen, sondern könnten die Ängste verstärken, erklärte der Soziologe Prof. Armin Nassehi im Rahmen eines Vortrags bei House of Pharma zu Aspekten einer Covid-19-Impfpflicht. Impfskepsis sei kaum mit Bildung zu erklären. Er kritisierte daher die staatlichen Impfkampagnen.
AutorKontaktCharlotte Kurz
Datum 29.03.2022  12:00 Uhr

Impfpflicht müsste auch durchsetzbar sein

Das Problem mit der Impfpflicht sei nun, dass sie aufzeige, welche Steuerungsprobleme in einem komplexen System wie unserer Gesellschaft herrschen können. Nassehi bezweifelte dabei, ob der Staat die politische Macht hätte, eine Impfpflicht auch durchzusetzen. Denn in einer Demokratie könne nur das reguliert werden, was auch tatsächlich sanktionierbar ist. Einen Impfzwang, also dass jemand von der Polizei abgeholt wird und zwangsmäßig geimpft werde, sei aber mit dem aktuellen Coronavirus nicht vorstellbar, so Nassehi. Deshalb sei eine Impfpflicht vor dem Hintergrund der 80 Prozent, die nicht die Absicht haben, sich impfen zu lassen, kaum durchzusetzen, auch bei Sanktionierung etwa durch wiederholte Bußgelder.

Erschwerend komme hier noch die sogenannte Gegenwärtigkeitsorientierung hinzu. »Wir sind eigentlich kaum zukunftsfähig«, konstatierte Nassehi. Damit meinte er, dass in den kommenden Sommermonaten, in denen die Corona-Inzidenzen wieder sinken werden, der Bedarf von weiteren Impfungen oder sogar einer Impfpflicht in der Gesellschaft kaum mehr als nötig erachtet wird. Diese Gegenwärtigkeitsorientierung erschwere Demokratien langfristige Ziele zu erreichen oder auch Probleme zu lösen.

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