| Laura Rudolph |
| 17.06.2026 12:30 Uhr |
Melissa Ong wurde beim ADKA-Kongress für ihre Diplomarbeit zu Lieferengpässen ausgezeichnet. / © Avoxa/Matthias Merz
Den ADKA-Ausbildungspreis für die beste Diplomarbeit erhielt Melissa Ong. In der Apotheke des Universitätsklinikums Freiburg untersuchte sie, wie sich Arzneimittel-Lieferengpässe im Krankenhaus auf Kosten und Arbeitsaufwand auswirken. Zusätzlich analysierte sie den praktischen Umgang mit Lieferengpässen.
Im dreimonatigen Untersuchungszeitraum dokumentierte sie 157 Lieferengpässe. »In mehr als 80 Prozent der Fälle wich das angekündigte Lieferdatum vom tatsächlichen ab«, berichtete Ong. Im Median vergingen bis zur Lieferung dreieinhalb Wochen.
Bei den Preisdifferenzen von Alternativpräparaten beobachtete sie deutliche Ausreißer. Nach deren Bereinigung ergaben sich Mehrkosten von 773,30 Euro für die drei untersuchten Monate, hochgerechnet rund 3093,20 Euro pro Jahr. Noch stärker fiel jedoch der zusätzliche Zeitaufwand für das Management der Lieferengpässe ins Gewicht: Hier berechnete Ong zusätzliche Personalkosten von etwa 13.000 Euro jährlich.
Aus ihrer Sicht erfordert ein effizientes Lieferengpass-Management klare Abläufe sowie ein digitales System, das Bestellungen, Lagerbestände und Lieferrückstände erfasst. Zudem sollte es geeignete Alternativpräparate übersichtlich abbilden.
Den ADKA-Ausbildungspreis für die beste PJ-Projektarbeit erhielt Theda Poppinga vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Sie widmete sich Paravasaten bei zielgerichteten Tumortherapeutika. Bei einem Paravasat tritt Flüssigkeit aus einer Infusion oder Injektion in das umliegende Gewebe aus, statt in den Blutkreislauf zu gelangen. Bei onkologischen Wirkstoffen kann dies – abhängig von der Substanz – schwere Gewebeschäden verursachen.
Professor Dr. Stefanie Swoboda (links) und Professor Dr. Frank Dörje überreichten Theda Poppinga (Mitte) eine Urkunde und Blumen. / © Avoxa/Matthias Merz
»Für zielgerichtete Therapeutika fehlen jedoch häufig klare Daten dazu, was bei Paravasaten passiert und wie wir sie einstufen«, erklärte Poppinga. Gerade für akute Situationen sei diese Einordnung entscheidend, um schnell und angemessen handeln zu können.
Die Krankenhausapothekerin fasste verfügbare Informationen zusammen und bewertete 40 zielgerichtete Tumortherapeutika, darunter zahlreiche monoklonale Antikörper. Dazu verglich sie bestehende Einstufungen aus verschiedenen onkologischen Quellen, befragte Hersteller zu Paravasat-Meldungen und Einschätzungen und führte eine systematische Literaturrecherche in PubMed durch. Drei unabhängige Pharmazeutinnen und Pharmazeuten nahmen die abschließende Bewertung konsensbasiert vor. Auf dieser Grundlage entwickelte Poppinga ein Ampelsystem, das eine schnelle Risikoeinschätzung ermöglicht.
Auf dem ADKA-Kongress zeichnete Maren Hamsen, Beauftragte für PJ und Beruf des Bundesverbands der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD), im Namen des Verbands die drei besten Krankenhaus-Ausbildungsapotheken des Jahres 2025 aus.
Grundlage ist das BPhD-Projekt »Empfehlenswerte Ausbildungsapotheken«, in dem ehemalige Pharmazeuten im Praktikum (PhiP) ihre Ausbildungsstätten umfassend bewerten.
Maren Hamsen, Beauftrage für PJ und Beruf des BPhD / © Avoxa/Matthias Merz
Zu Beginn eines jeden Jahres wertet die oder der Beauftragte für PJ und Beruf die Umfragen des Vorjahres aus. Aus diesen wählt er oder sie etwa 15 bis 20 Apotheken aus, deren Bewertungen anonymisiert dem Vorstand vorgelegt werden. Dieser bestimmt schließlich die besten Apotheken in den Kategorien Offizin, Krankenhaus und spezialversorgende Apotheken.
Den ersten Platz belegte die Apotheke der Kliniken Landkreis Heidenheim – bereits die siebte Auszeichnung dieser Art für das Klinikum, wie Hamsen betonte. Auf Platz zwei folgte die Apotheke des Universitätsklinikums Leipzig, Platz drei ging an die Zentralapotheke der Mühlenkreiskliniken in Minden.
Abschließend stellte die Beauftragte für PJ und Beruf Vorschläge vor, wie sich das Praktische Jahr aus Sicht des Verbands verbessern lässt. Dazu zählt ein fest eingeplanter halber Arbeitstag pro Woche, der als Lernzeit dient. Zudem fordert der BPhD, dass PhiP krankheitsbedingt bis zu zwei Wochen fehlen dürfen, ohne dass diese Zeit nachgearbeitet werden muss oder vom Urlaub abgezogen wird.
Auch bei der Vergütung sieht der Verband Handlungsbedarf: Die Ausbildungsvergütung soll mindestens dem gesetzlichen Mindestlohn entsprechen. PhiP mit abgeschlossener Ausbildung als PKA oder PTA sollten nach dem jeweiligen Tarif ihrer Berufsgruppe bezahlt werden.
Darüber hinaus setzt sich der BPhD dafür ein, das PJ auch in Teilzeit zu ermöglichen – bei entsprechend verlängerter Gesamtdauer.