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Multiple Sklerose

Ponesimod verhindert Schübe besser als Teriflunomid

Nach Fingolimod, Siponimod und Ozanimod ist nun der vierte Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptor-Modulator auf dem Markt. Ponesimod ist zugelassen bei Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose und war in einer direkten Vergleichsstudie besser wirksam als Teriflunomid.
Brigitte M. Gensthaler
28.06.2021  07:00 Uhr

Ponesimod (Ponvory®, Janssen) ist angezeigt zur Behandlung erwachsener Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose (RMS, Relapsing Multiple Sclerosis) mit aktiver Erkrankung, definiert durch klinischen Befund oder Bildgebung. Die Medikation wird über 14 Tage aufdosiert, beginnend mit einer 2-mg-Tablette einmal täglich bis zu 10 mg an Tag 14. Danach beträgt die empfohlene Erhaltungsdosis einmal täglich 20 mg. Daher gibt es eine Starterpackung mit 14 Filmtabletten von 2 bis 10 mg sowie eine Packung zur Erhaltungstherapie mit 28 Filmtabletten à 20 mg. Der Patient kann die Tablette unabhängig von der Nahrung einnehmen. Wird die Medikation mehr als vier Tage unterbrochen, muss die Titration von vorne beginnen.

Bei einer Nierenfunktionsstörung und einer leichten Leberinsuffizienz ist keine Dosisanpassung nötig. Dagegen ist Ponvory bei Patienten mit mittelschwerer oder schwerer Leberfunktionsstörung (Child-Pugh-Klassen B und C) kontraindiziert. Überhaupt ist die Liste der Gegenanzeigen lang: Patienten in immunsupprimiertem Zustand, mit schwerer Herzerkrankung in den letzten sechs Monaten (zum Beispiel Myokardinfarkt, instabile Angina Pectoris, Apoplex, transitorische ischämische Attacke oder Herzinsuffizienz NYHA-Klasse III oder IV), bei AV-Block, schweren aktiven und chronischen Infektionen und Krebs. In der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht zuverlässig verhüten, ist Ponesimod ebenfalls kontraindiziert.

Wirksam im Head-to-Head-Vergleich

Ponesimod moduliert wie die Vorgängersubstanzen den Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptor, bindet aber mit hoher Affinität selektiv an den S1P-Rezeptor-Subtyp 1 auf T- und B-Lymphozyten. In der Folge wird der Austritt der Lymphozyten aus den Lymphknoten blockiert und die Zahl der Lymphozyten im peripheren Blut sinkt. Der Effekt von Ponesimod bei MS könnte auf der Verringerung der Lymphozytenmigration in das zentrale Nervensystem beruhen. Bei MS greifen Immunzellen im Hirngewebe die Myelinschicht der Nervenzellen an und dies löst langfristig die typischen Symptome aus.

Die Wirksamkeit von Ponesimod wurde in der Phase-III-Studie OPTIMUM untersucht. In die multizentrische, randomisierte doppelblinde Überlegenheitsstudie wurden etwa 1130 RMS-Patienten aufgenommen; die meisten hatten einen schubförmig-remittierenden Verlauf (RRMS; Relapsing Remitting Multiple Sclerosis), wenige eine sekundär progrediente Form (SPMS: Secondary Progressive Multiple Sclerosis). Alle hatten Schübe und waren gehfähig. Die Patienten erhielten randomisiert über 108 Wochen entweder einmal täglich Ponesimod oder 14 mg Teriflunomid, einen oral verfügbaren Inhibitor der Pyrimidinsynthese, der die Aktivität von B- und T-Zellen hemmt.

Der primäre Endpunkt war die jährliche Schubrate (ARR; Annualized Relapse Rate) von Studienbeginn bis -ende. Die ARR betrug 0,202 unter Ponesimod und 0,29 unter Teriflunomid; das entspricht einer Reduktion um etwa 30 Prozent (statistisch signifikant). Unter Ponesimod erlitten knapp 30 Prozent der Patienten einen Schub; unter Teriflunomid waren es fast 40 Prozent. Der Neuling schnitt auch bei den sekundären Endpunkten besser ab: Er stabilisierte Fatigue-Symptome besser, hielt den Gehirnvolumenverlust stärker auf und reduzierte die Zahl der aktiven MRT-Läsionen im Gehirn um etwa 56 Prozent im Vergleich zu Teriflunomid

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