Bei Migräneattacken schwören manche Patienten auf Pommes mit Cola – eine Kombination aus Koffein, Salz und Fett. / © Getty Images/karandaev
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch wiederkehrende Kopfschmerzattacken äußert. Diese können von Übelkeit sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet sein und mehrere Stunden bis zu drei Tage anhalten. Migräne beschränkt sich nicht auf die Kopfschmerzphase. Bereits Tage vor einem Anfall können Warnsignale wie Müdigkeit, häufiges Gähnen oder Heißhunger auftreten. Nach Abklingen der Schmerzen fühlen sich Betroffene häufig erschöpft und unkonzentriert.
Um die Beschwerden eines Migräneanfalls zu lindern, finden sich zahlreiche Tipps in den sozialen Medien. In dem Podcast »Strange Health« der Nachrichten-Plattform »The Conversation« ordnet die Neurowissenschaftlerin Professor Dr. Amanda Ellison von der Universität Durham, England, die verschiedenen Methoden ein.
Ellison, die selbst Migräne hat, geht zunächst auf den »McMigraine« ein – eine Kombination aus salzigen Pommes und einer großen Cola. Diese Methode habe den Hintergrund, dass Koffein die Blutgefäße verengt und die Wirkung bestimmter Schmerzmittel verstärkt. So zeigte eine 2014 erschienene Cochrane-Übersichtsarbeit, dass die Zugabe von Koffein zu gängigen analgetischen Wirkstoffen wie Ibuprofen oder Paracetamol die Schmerzlinderung leicht verbessern kann. Eine Koffeinmenge, die etwa einer Tasse Kaffee entspricht, erhöhte den Anteil der Menschen mit guter Wirksamkeit um 5 bis 10 Prozent.
Allerdings hat Koffein auch eine Kehrseite: Wer regelmäßig Kaffee oder andere koffeinhaltige Getränke konsumiert und plötzlich darauf verzichtet, kann Entzugskopfschmerzen entwickeln. Ein solcher Koffeinentzug könne auch Migräneattacken begünstigen, so Ellison.
Neben dem Koffein der Cola könnte auch das Kochsalz in den Pommes eine Rolle spielen. Natrium ist für die Funktion der Nervenzellen wichtig. Dass eine erhöhte Salzzufuhr einen akuten Migräneanfall lindern kann, ist wissenschaftlich allerdings nicht belegt. Im Gegenteil: Einige Studien deuten darauf hin, dass eine erhöhte Natriumaufnahme mit längeren und schwereren Migräneanfällen verbunden sein könnte.
Eine mögliche Erklärung für den McMigraine-Trend könnte daher eher darin liegen, dass einige Menschen bereits vor einer Migräne Heißhunger auf salzige Lebensmittel entwickeln. Wer diesem Verlangen mit einer Portion Pommes nachgibt, könnte deshalb den Eindruck gewinnen, dass das Salz gegen die Migräne hilft.
Ein weiterer Tipp, um Migräneattacken abzuschwächen, ist, Haarklammern an den Augenbrauen zu befestigen. Diese sollen nach Ellisons Einschätzung vor allem dadurch helfen, dass sie einen zusätzlichen Reiz setzen und so von den Schmerzen ablenken. Wissenschaftliche Belege für eine Wirksamkeit gebe es keine.
Besser untersucht ist die Verwendung von Kälte zur Schmerzlinderung. Ellison verweist hierzu auf eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2022. Zu den untersuchten Methoden zählte beispielsweise das Tragen von Kühlhauben und Kaltgel-Stirnbändern. Solche Anwendungen können der Analyse zufolge die Schmerzen kurzfristig lindern. In einer der eingeschlossenen Studien gingen die Schmerzen durch eine 30-minütige Kühlung des Nackens im Durchschnitt um ein Drittel zurück. Dieser Effekt hielt nach der Anwendung zum Teil eine halbe Stunde lang an. Ob das auch durch eisgekühlte Löffel auf der Stirn gewährleistet ist, was manche Patienten versuchen, sei fraglich, so Ellison.
Insgesamt seien die genannten Methoden nicht spezifisch auf Migräne ausgerichtet, betont die Neurowissenschaftlerin. Was bei anderen Kopfschmerzarten hilfreich sein könne, lasse sich nicht automatisch auf Migräne übertragen. Auch könne die Wirkung einzelner Maßnahmen von Person zu Person unterschiedlich ausfallen.
Ellison empfiehlt, die eigenen Migräneauslöser zu ermitteln, um möglichst früh auf einen Anfall reagieren zu können. Dabei könne ein Kopfschmerztagebuch helfen, frühzeitige Warnsignale und andere Einflüsse wie Ernährung oder Veränderungen des Schlafs besser einzuordnen.
Während die verschiedenen Migräne-Tricks also unterschiedlich gut wirksam sein können, ist die Wirksamkeit einer Reihe von etablierten Arzneistoffen zur Migränetherapie nachgewiesen. Dazu zählen Triptane, die gezielt in den Migränemechanismus eingreifen, aber auch herkömmliche Schmerzmittel wie nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) sowie Metamizol und Paracetamol. In der Regel wirken die Analgetika am besten, wenn sie zu Beginn der Migräneattacke eingenommen werden, solange die Schmerzen noch nicht stark ausgeprägt sind.