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75 Jahre BPI
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»Politischen Entscheidern klarmachen, was auf dem Spiel steht«

Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) blickt auf 75 Jahre Verbandsgeschichte zurück. Seit seiner Gründung im Jahr 1951 hat er die Entwicklung der Arzneimittelversorgung in Deutschland maßgeblich begleitet. Der Verband warnt davor, eine gesamte Industrie zum Kostenfaktor zu degradieren, und spricht von dringend notwendigen Strukturreformen.
AutorKontaktMelanie Höhn
Datum 10.06.2026  16:15 Uhr

»Gesamte Industrie zum Kostenfaktor degradiert«

Im Koalitionsvertrag 2025 wurde formuliert, dass Deutschland die industrielle Gesundheitswirtschaft stärken und insbesondere Pharma- und Medizintechnik als Leitwirtschaft ausbauen will. »Deutschland soll weltweit Innovationsstandort Nummer eins werden. Das gilt so lange, bis Finanzprobleme der GKV auf den Tisch kommen«, kritisierte Kai Joachimsen. »Da wird eine gesamte Industrie zum Kostenfaktor degradiert.«

Für den BPI-Vorsitzenden Oliver Kirst steht fest: »Es ist und bleibt unsere zentrale Aufgabe, den politischen Entscheidern klarzumachen, welche Bedeutung unsere Industrie hat und was auf dem Spiel steht – für den Wirtschaftsstandort und für die Patientenversorgung.« Kirst und Joachimsen betonten daher die Notwendigkeit struktureller Reformen. »Wir müssen die Strukturen des Systems reformieren, weil sonst mit jedem Gesetz unser Gesundheitswesen vielleicht billiger, aber auf keinen Fall besser wird«, so Kirst.

Mit dem Bündnis »Gute Gesundheit 2030« brachte der BPI erstmals zahlreiche Akteure des Gesundheitswesens, darunter auch Apothekerinnen und Apotheker, zusammen, um sektorübergreifend Lösungen für zentrale Herausforderungen zu entwickeln. »Wir sind da auf dem richtigen Weg, gemeinsam und mit der Politik Lösungen zu finden. Eine Strukturreform ist keine leichte Aufgabe. Aber nur so werden wir unser Gesundheitssystem leistungsfähiger und zukunftssicher machen«, erklärte Kirst.

Den »Critical Medicines Act« sieht Kirst als Chance, den Entwicklungs- und Produktionsstandort Europa voranzubringen. »Denn es müssen die richtigen Lehren aus der Pandemie gezogen werden. Wir müssen die Abhängigkeit von Asien verringern, die Gesundheitsversorgung muss resilienter werden. Noch sind weder die EU noch Deutschland auf Krisenfälle vorbereitet, von Schlimmerem ganz zu schweigen.« Sicherheit sei der Schlüsselbegriff. »Wir garantieren Arzneimittelsicherheit, wir brauchen Standortsicherheit im Sinne guter Rahmenbedingungen und wir wollen Versorgungssicherheit bieten«, so Kirst weiter. Lieferengpässe seien eine »traurige Normalität, an die wir uns nicht gewöhnen dürfen«.

In diesem Zusammenhang erklärte Joachimsen, dass die BPI-Sicherheitsstrategie dazu konkrete Vorschläge enthalte. »Das ist quasi unsere Roadmap für die Beratungen über ein Gesundheitssicherstellungsgesetz, das bald kommen soll und dringend nötig ist. Gesundheitspolitik ist Standortpolitik, Gesundheitspolitik ist auch Sicherheitspolitik. Wir sind Teil der kritischen Infrastruktur.«

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