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EMA-Vorgabe

Pioglitazon wird auf NDMA getestet

Verunreinigungen mit Nitrosaminen sind nicht nur bei Sartanen möglich: Auch Hersteller des Antidiabetikums Pioglitazon sollen ihr Herstellungsverfahren nun überprüfen.
Daniela Hüttemann
30.04.2019
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Valsartan war vermutlich nur der Anfang: Aktuell berichtet die Europäische Arzneimittelagentur (EMA), dass auch in einigen Chargen des Wirkstoffs Pioglitazon des indischen Lohnherstellers Hetero Labs niedrige Konzentrationen der Verunreinigung N-Nitrosodimethylamin (NDMA) gefunden wurden. Die Verunreinigungen lagen innerhalb der neuen Grenzwerte, die kürzlich für Sartane festgelegt wurden. Sie gelten als wahrscheinlich sicher. Ob die betroffenen Wirkstoffchargen auch in Fertigarzneimitteln verarbeitet wurden, die in der EU auf dem Markt sind, gab die Behörde nicht bekannt. Zu Rückrufen kam es bislang nicht.

Die EMA sowie die nationalen Arzneimittelbehörden haben nun die Hersteller von Pioglitazon-haltigen Medikamenten, die bestimmte Reagenzien bei der Synthese verwenden, dazu aufgefordert, ihre Produkte und Prozesse zu überprüfen. Ziel ist es, das Vorliegen von Nitrosamin-Verunreinigungen, insbesondere NDMA, auszuschließen. Welche Reagenzien das sein sollen, schreibt die EMA nicht.

Nach bisherigen Erkenntnissen kann es zur Bildung von Nitrosaminen kommen, wenn Amine bei der Synthese ringförmiger Stickstoff-Verbindungen nitrosyliert werden. Bei den Sartanen mit Tetrazolring wie Valsartan und Losartan wird die Nitrosamin-Bildung auf das verwendete Lösungsmittel zurückgeführt. Der Insulin-Sensitizer Pioglitazon enthält zwar keinen Tetrazolring, jedoch einen Thiazol-2,4-dion-Ring. Vermutlich kann es auch hier bei der Ringsynthese je nach eingesetzten Reagenzien und Reaktionsbedingungen zu Nitrosamin-Bildung kommen. Die EMA nennt dazu keine Details.

Derzeit werde auf europäischer Ebene an einer Strategie gearbeitet, um Vorfälle wie bei den Sartan-Produkten in Zukunft zu vermeiden. Zudem soll ein Management entwickelt werden, falls es noch einmal zu solchen Fällen kommt. Neben der EMA und den nationalen Behörden sind das Europäische Direktorat für die Qualität von Arzneimitteln (EDQM) und die Europäische Kommission eingebunden. Konkrete Maßnahmen sollen bald bekannt gegeben werden. 

Pioglitazon war 2011 in die Kritik geraten, da unter der Einnahme ein erhöhtes Blasenkrebsrisiko festgestellt wurde. Das Nutzen-Risiko-Verhältnis schätzte die EMA jedoch – unter verschärften Kontraindikationen – als positiv ein; der Insulin-Sensitizer blieb als einziger Vertreter seiner Wirkstoffklasse auf dem Markt. Allerdings erstattet die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) das Mittel seitdem nur noch in begründeten Ausnahmefällen, sodass es keine große Rolle mehr bei der Versorgung von Diabetikern spielt.

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