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Pharmastrategie Deutschland 
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Piechotta vermisst Patent-Debatte

Die Coronapandemie habe gezeigt, dass Europas Bedarf an einer unabhängigen Medikamentenversorgung nicht gedeckt sei, moniert Paula Piechotta bei einer Debatte beim Deutschen Krebskongress. Die Grünen-Politikerin wünscht sich eine verlässliche Produktion in Deutschland und eine ehrliche Debatte über Patente.
AutorKontaktPaulina Kamm
Datum 23.02.2026  10:30 Uhr

Das Thema der Medikamentenverfügbarkeit 

Ein Engpass entstehe laut Westphalen aktuell durch drei Faktoren: Transaktion, Skalierung und Geschwindigkeit. Um dem entgegenzuwirken, brauche es eine schriftliche politische Verbindlichkeit zum Bürokratieabbau.

Am Beispiel der GLP-1-Antagonisten sehe man, was passiere, wenn Patientinnen und Patienten feststellen, dass Medikamente andererorts günstiger angeboten werden: Sie versuchen, in den Markt einzugreifen. »Der Patient, wenn er zum Konsumenten wird, bezahlt nicht unbedingt höhere Preise. Der macht vor allen Dingen Einschnitte bei der Produktsicherheit«, so Piechotta. Auch die hohe Volatilität der Branche durch Zölle, Handelsbeschränkungen, Ausfall von bestimmten Märkten beeinflusse die Verfügbarkeit von Medikamenten.

Was muss sich ändern?

Piechotta wünscht sich auch eine verbesserte elektronische Patientenakte (ePA). Diese sei hinsichtlich Datenverfügbarkeit für klinische Forschung essenziell. Um die Innovationen schneller in die Wirtschaft zu transferieren, plädiert Piechotta für eine Neuausrichtung der Translationseinheiten in deutschen Universitäten. Auch der Forschungsstandort Deutschland, allen voran die Fachkräftesituation, sei ausbaufähig. 

Westphalen mahnt allerdings: »All das, was wir an Forschungsförderung in Deutschland einsetzen wollen, sind Steuergelder. Diese Steuergelder müssen erstmal verdient sein.« Auch die Ressourcen für die allgemein präsente Forderung nach Digitalisierung, allen voran die Künstliche Intelligenz (KI), sieht Westphalen kritisch: Serverfarmen gebe es in Europa nicht in dem Maße wie in den USA oder China. »Und es braucht eine cloudbasierte Datenstrategie, diese hat Europa auch nicht.« Eine sichere Energieversorgung wäre für beides Grundvoraussetzung. 

»Fragmentierung ist, glaube ich, die teuerste Form von Bürokratie«, sagt Westphalen. Es sei zwar praktisch schwierig, den Föderalismus auf Bundesebene »anzufassen«, doch die Kosten könne man sich aktuell schlichtweg nicht leisten. 

Penske stuft eine Modernisierung des AMNOG als unausweichlich ein, um Innovation neu zu denken. Auch die inländische Wertschätzung Innovation gegenüber müsse steigen: »Wenn insbesondere im Heimatmarkt die Innovation nicht gewertschätzt wird, ist das natürlich auch ein sehr, sehr schlechtes Signal an alle anderen Länder der Welt«, so Penske. 

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