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Warenverfügbarkeit
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Phoenix will Apothekenlager managen

Im Wettbewerb mit Versandkonzernen und Drogerieketten müssen sich Apotheken weiter professionalisieren, ist Phoenix-Deutschlandchef Marcus Freitag überzeugt. Der Großhändler will aktiver als bisher beim Lagermanagement unterstützen und sieht auch im Marketing die Zeit reif für Kompromisse.
AutorKontaktAlexander Müller
Datum 31.07.2026  08:30 Uhr

Die Großhändler stehen selbst unter Kostendruck: »Wenn die Dieselkosten um 10 Cent steigen, kostet uns das 1,2 Millionen Euro Ergebnis«, so Marcus Freitag. Auch die steigenden Zinsen, IT- und Personalkosten belasteten das Geschäft. Ein Gegenmittel ist die Automatisierung: »Wir sind mittlerweile bei einer Automatisierungsquote von rund 80 Prozent in den Niederlassungen«, so Freitag. Das sei schon hoch, aber noch nicht das Ende.

Der zweite Ansatzpunkt ist das Servicelevel. »Wir fahren heute im Durchschnitt dreimal am Tag in die Apotheken. Die Apotheken müssen sich die Frage stellen, ob es nicht reicht, einmal am Tag und einmal am nächsten Morgen oder in der Nacht beliefert zu werden. Es gibt Apotheken, die bekommen das hin, das ist eine Frage der Prozesssteuerung«, so Freitag. »In Norwegen fahren wir dreimal die Woche.« Auch im Vergleich mit allen anderen knapp 30 europäischen Ländern, in denen Phoenix aktiv ist, haben deutsche Apotheken mindestens eine Tour mehr pro Tag.

Das Thema ist bei Phoenix nicht neu, aber jetzt will der Branchenprimus den nächsten Schritt gehen – VMI heißt das Zauberwort. Das steht für Vendor Managed Inventory, also lieferantengesteuertes Bestandsmanagement. Der Großhändler observiert Bestände und bündelt Bestellungen. Das Ziel: bessere Warenverfügbarkeit bei niedrigerem Bestand und weniger Touren.

VMI in Apotheken

In Dänemark hat Phoenix schon Erfahrungen damit gemacht. »Da gibt es eine hohe Transparenz, wo welches Produkt liegt, Defekte lassen sich gut managen«, so Freitag. Mit VMI ließe sich auch in deutschen Apotheken die Verfügbarkeit deutlich verbessern, ist er überzeugt. Die ersten Gespräche in den vergangenen Monaten seien positiv, die Bereitschaft mittlerweile auch auf Kundenseite hoch – auch wenn es bei manchen Apotheken noch die Sorge gebe, dass Patienten am Ende doch länger warten müssten. Die Apotheken sollen auch wirtschaftlich profitieren:

»Ich hätte überhaupt kein Problem damit, 50 Prozent der eingesparten Kosten über Konditionen an die Apotheke weiterzugeben.«
Marcus Freitag

Überhaupt ist der Phoenix-Deutschlandchef überzeugt, dass Großhandel und Apotheke enger zusammenrücken müssen. Die größte Bedrohung sieht er aktuell in neuen Konkurrenten wie Drogeriemärkten. Freitag wundert sich allerdings über die Offenheit, mit der manche Industriepartner sich zum »Steigbügelhalter« machen. »Im ersten Schritt steht da vielleicht noch das Markenprodukt, aber dann kommt die Eigenmarke und der Umsatz ist weg«, warnt der Großhändler.

Für die Kunden der Drogerieriesen sei es jedoch sehr komfortabel, online zu bestellen und die Arzneimittel am nächsten Tag im Schließfach in der Filiale abzuholen. »Gerade bei Click & Collect müsste die Apothekerschaft mit dem Großhandel zusammen dagegenhalten«, so Freitag. Eine funktionierende Abhol-Lösung, gepaart mit pharmazeutischen Dienstleistungen, professioneller Beratung und persönlicher Betreuung vor Ort – darin sieht Freitag das Erfolgskonzept der Apotheken.

»Die Apotheken müssen erste Anlaufstelle sein, wenn es um das Thema Gesundheit geht – selbst wenn sich das Blutabnehmen allein anfangs nicht lohnt.« Noch gebe es einen großen Vertrauensvorsprung vor den Drogerien, und den gelte es zu nutzen. Phoenix will eigene Angebote über die Kooperation Linda ausspielen, an der der Großhändler inzwischen 50 Prozent der Anteile hält.

Freitag fordert Kompromissbereitschaft

»Wie beim Thema VMI muss der Apotheker über seinen Schatten springen: Wo ist das Problem zu sagen, ich habe als Individualapotheker einen starken Partner, der mir Hilfestellung gibt in meinem sich immer größer werdenden Wettbewerb? Wir brauchen eine Antwort auf die starken Marken der Drogeriemärkte«, so Freitag gegenüber der PZ.

Er werde nicht »das böse Wort Apothekenkette« benutzen, »aber ohne Kompromisse wird es nicht gehen«, meint Freitag und liefert ein Beispiel aus der Praxis: »Wenn wir über ein Planogramm reden, muss das auch umgesetzt werden. Dann darf eben nicht der altbekannte Außendienstler kommen und noch mal einen halben Meter Regal freiräumen.« Auch die Industrie erwarte eine definierte Gegenleistung für eine Vergütung.

Der schwierige Spagat, den Freitag meint: Die Apotheke muss das Versprechen einer Dachmarke wie Linda einlösen, ohne ihre Individualität als Adler-Apotheke zu verlieren. »Aber ich bin felsenfest überzeugt: Das Leistungsversprechen muss sich abheben vom roten A. Wir wollen mehr als das rote A«, so Freitag.

Wie schwierig das ist, die Apotheken unter ein Dach zu bekommen, erlebt Phoenix selbst beim Thema Plattform. Bei Gesund.de hat der Großhändler eine beherrschende Stellung, man sei aber offen für weitere Beteiligungen. Überhaupt wäre eine einheitliche Lösung aller Apotheken der Idealfall, findet Freitag. Aber von diesem Zusammenschluss träumt die Branche nun auch schon einige Jahre.

Politik ignoriert Großhändler

Ausgeträumt ist in dieser Legislaturperiode wohl der Traum einer Honoraranpassung für die Großhändler. Der Branchenverband Phagro, dessen Vorsitzender Freitag ist, hat zuletzt eine Erhöhung des Fixhonorars von derzeit 73 Cent pro Packung um mindestens 30 Cent gefordert – vergeblich. Man könnte es positiv sehen, so Freitag mit halbem Ernst: Immerhin sei der Großhandel im Rahmen der GKV-Sparreform nicht zusätzlich belastet worden.

Vielleicht wurde die Branche aber auch einfach übersehen. Denn seit Jahren leben die Großhändler in der unbefriedigenden Situation, von der Politik im Grunde nicht wahrgenommen zu werden, mit einer kurzen Ausnahme während der Corona-Pandemie im Zuge der Impfstoffverteilung. Doch in der jetzt vorzeitig beendeten Amtszeit von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken gab es kein einziges persönliches Gespräch.

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