| Alexander Müller |
| 28.07.2026 16:00 Uhr |
Wird es über die »Handelsüblichkeit« jetzt die nächste gerichtliche Auseinandersetzung geben? »Ich weiß nicht, was zukünftig passieren wird. Aber ich bin davon überzeugt: Der Markt muss die Themen regeln.« Und tatsächlich war die Kreativität der Branche auch in der Vergangenheit groß – vom Handelsspannenausgleich über Sprit-Zuschläge bis zu Mindestlohngebühren. Freitag geht davon aus, dass bei wachsendem wirtschaftlichem Druck auch über die Zahl der Touren gesprochen werden wird.
Diese Stellschrauben sind allesamt nicht in der AMPreisV geregelt. Freitag sieht darin die Grundsatzfrage berührt, wie weit die Politik das System regeln möchte – möglichst dem freien Spiel der Kräfte überlassen oder mit streng geregelten Margen der einzelnen Handelsstufen. Letzteres würde die Dinge zumindest einfacher machen, so Freitag, zumal die Freiheit des Marktes spätestens am einheitlichen Abgabepreis ihr natürliches Ende finde.
Aktuell fehle vor allem die Planungssicherheit für Investitionen, so Freitag. Das gelte für den Großhandel genauso wie für die Industrie. Der zwischenzeitlich angedachte dynamische Herstellerabschlag sei ein Paradebeispiel. Und dass sich immer weniger junge Pharmazeuten in die Selbstständigkeit trauen, sei ebenso Folge fehlender Sicherheit. »Weil es für viele kein attraktives Business mehr ist.« Der Corona-Peak täusche darüber hinweg, dass die Ertragslage vor zehn Jahren massiv besser gewesen sei.
»Der Markt hat sich schon konsolidiert über die Jahre, und er hat sich nicht konsolidiert, weil es ein sexy Business ist, sondern weil es nicht mehr tragbar war für viele. Und ich glaube, das wird auch weiterhin der Fall sein, weil wir nicht in der Lage sind, die Kostenentwicklungen zu kompensieren.«
Freitag will nicht ausschließen, dass es in den nächsten zehn Jahren zu weiteren Übernahmen und Zusammenschlüssen im deutschen Großhandelsmarkt kommen kann. Allerdings sei das ein Blick in die Glaskugel, weil die politischen Rahmenbedingungen und das wirtschaftliche Umfeld nicht vorherzusehen seien.