Ein innovatives Lehrprojekt der Universität Freiburg soll Studierenden moderne Kompetenzen zu Datenauswertung vermitteln, darunter Python-Programmierung und maschinelles Lernen. / © Getty Images/WhiteTea
Das Projekt »DigiChemJN – Digitale Chemielehre mit Jupyter Notebooks« soll Pharmazie- und Chemiestudierenden in Freiburg neue Fähigkeiten im Bereich digitaler Datenauswertung vermitteln. Sie arbeiten dabei mit sogenannten Jupyter Notebooks. Dies sind interaktive, digitale Arbeitsumgebungen, in denen sich Programmiercode, Texte, Bilder, Diagramme und Ergebnisse kombinieren lassen – ähnlich einem digitalen Laborheft.
Das Projekt startet voraussichtlich am 1. Juli und soll als dreiwöchiges Praktikum im siebten Semester fest ins Curriculum integriert werden, erklärt Professor Dr. Stefan Günther, der das Lehrmodul im Bereich Pharmazie organisiert und leitet, gegenüber der PZ. »Es steht allen Studierenden des Staatsexamen-Studiengangs offen und wird nach Approbationsordnung angerechnet. Wir wollen allerdings vornehmlich solche Studierende damit ansprechen, die Interesse daran haben, KI-Methodiken zu erlernen, die bei der Auswertung wissenschaftlicher Daten angewendet werden können. Wir hoffen natürlich auf rege Nachfrage.« Das zugehörige Lehrmodul werde dann Ende Februar 2027 im Rahmen des Wahlpflichtpraktikums des Staatsexamen-Studiengangs beginnen.
Besonders ist dabei, dass die Studierenden mit echten Forschungsdaten arbeiten. »Wir wollen nicht nur Datensätze aus der Literatur, sondern auch aus der aktuellen Forschung der verschiedenen Arbeitsgruppen des Instituts für Pharmazeutische Wissenschaften auswerten«, führt Günther aus. Dabei könne es um ganz unterschiedliche Fragestellungen rund um Arzneistoffe gehen – etwa aus der Wirkstoffforschung: Welche Eigenschaften könnten neu entdeckte Naturstoffe aus Pflanzen oder Bakterien besitzen? Eignen sie sich möglicherweise als neue Antibiotika? Oder wie muss ein neuer Wirkstoff aufgebaut sein, um gezielt an ein bestimmtes Protein zu binden, und wie lässt er sich effizient synthetisieren?
»Generell hoffe ich auf Fragestellungen aus allen Disziplinen der pharmazeutischen Wissenschaften und der Chemie. Hierzu wollen wir ein Format, das sogenannte Datencafe, etablieren, in dem Studierende zusammen mit Forscherinnen und Forschern Forschungsprojekte entwickeln und vorbereiten, die dann im Praktikum bearbeitet werden sollen. Das Ganze ist ergebnisoffen, sodass wir uns aus dem Praktikum auch neue Erkenntnisse zu Forschungsprojekten erhoffen, die dann in den Arbeitsgruppen weiterentwickelt werden können.«
Die entwickelten Materialien sollen anschließend als frei zugängliche Lehr- und Lernangebote veröffentlicht werden. Sie richten sich insbesondere an Studierende höherer Semester in den Masterstudiengängen Chemie und Pharmazie. Perspektivisch könnten die Module auch auf weitere Studiengänge übertragen werden.
»Für mich persönlich steht der Spaß an der Forschung im Vordergrund. Das Praktikum soll Forschung und Lehre optimal verbinden. Dadurch soll auch die Neugier an den neuen KI-Methodiken bei den Studierenden gefördert werden«, sagte Günther abschließend.