Ondansetron hilft bei Übelkeit durch Opioide |
| 20.11.2000 00:00 Uhr |
Übelkeit und Erbrechen fürchten die meisten Patienten nach einer Tumortherapie und nach Operationen. 5-HT3-Antagonisten unterdrücken diese Qual. Ondansetron ist seit Anfang des Jahres auch zur Prophylaxe und Therapie der postoperativen Emesis zugelassen. Ebenfalls wirksam, dafür aber nicht zugelassen, ist der Klassiker bei Opioid-induziertem Erbrechen.
Das individuelle Risiko eines Patienten, nach einer Operation mit Inhalationsnarkose an Übelkeit zu leiden, lässt sich anhand weniger Parameter abschätzen: weibliches Geschlecht, Nichtraucher, Gabe von Opioid-Analgetika und Vorerfahrungen mit Reisebeschwerden oder postoperativer Übelkeit. Je mehr Kriterien erfüllt sind, umso höher ist das Risiko. Treffen drei oder vier Faktoren zu, sollten gasförmige Anästhetika vermieden, Opioide reduziert und prophylaktisch Antiemetika gegeben werden, empfahl Professor Dr. Hans-Joachim Schmoll, Direktor der Klinik für Hämatologie und Onkologie in Halle bei einem Pressegespräch von GlaxoWellcome in München.
Prophylaktisch könne man beispielsweise bei Ausleitung der Anästhesie 4 mg Ondansetron (Zofran®) intravenös spritzen. Die Kombination mit Corticosteroiden wie Dexamethason steigert die Wirksamkeit. Bei niedrigem Risiko verzichtet man auf die Prophylaxe. Das Antiemetikum wird nur gespritzt, wenn der Patient Beschwerden verspürt. Wie in der Chemo- und Strahlentherapie gilt auch nach Operationen: Übelkeit und Erbrechen müssen immer behandelt werden, da das Wiederholungsrisiko über 50 Prozent beträgt.
10 bis 50 Prozent der Patienten leiden laut Schmoll nach der Einnahme von Opioiden unter Übelkeit und/oder Erbrechen. Auch ihnen hilft Ondansetron, wie zwei große Studien gezeigt haben. In einer doppelblinden randomisierten Studie wurden 4511 Patienten eingeschlossen, die postoperativ ein Opioid gegen ihre Schmerzen benötigten (1). Rund 30 Prozent (1366) mussten innerhalb von sechs Stunden erbrechen und bekamen daraufhin entweder 8 beziehungsweise 16 mg Ondansetron oder 10 mg Metoclopramid (MCP) intravenös. Beide Ondansetron-Dosen unterdrückten die Symptome in gleichem Ausmaß und signifikant besser als MCP. Die Metoclopramid-Patienten benötigten häufiger eine zusätzliche antiemetische Therapie.
Auch bei nicht operierten Patienten, die Opioide zum Beispiel gegen Rücken- und Nackenschmerzen bekamen, linderte der 5-HT3-Antagonist den Brechreiz. Von 2574 Patienten musste ein Fünftel (520) antiemetisch behandelt werden (2). Sie erhielten entweder Placebo oder Ondansetron 8 mg oder 16 mg intravenös. Das Verum unterdrückte das Erbrechen bei 62 bis 68 Prozent, das Placebo half 46 Prozent der Patienten. Frei von Übelkeit wurden allerdings nur 15 beziehungsweise 19 Prozent unter Verum gegenüber 7 Prozent unter Placebo.
Beide Studien zeigen, dass Ondansetron das Opioid-induzierte Erbrechen wirksamer kontrolliert als Metoclopramid oder Placebo. Unklar ist, ob sich dies auch mit niedrigeren Dosen erzielen lässt.
Literatur
(1) Chung, F., et al., Ondansetron is more effective than metoclopramide for the
treatment of opioid-induced emesis in post-surgical adult patients. Eur. J. Anaestesiol.
16 (1999) 669 677.
(2) Sussman, G., et al., Intravenous Ondansetron for the Control of Opioid-Induced Nausea
and Vomiting. Clin. Therapeutics Vol. 21 (1999) 1216 1227.
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