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Petersilie ist Giftpflanze des Jahres 

In Deutschland ist Petersilie das am häufigsten verwendete Küchenkraut – und die Giftpflanze des Jahres 2023. Dies ist jedoch kein Grund zur Beunruhigung: Ihre toxische Wirkung entfaltet die zweijährige Pflanze nur unter bestimmten Voraussetzungen. 
Laura Rudolph
21.02.2023  16:30 Uhr

Mit knapp 30 Prozent der abgegebenen Stimmen gewinnt die Petersilie (Petroselinum crispum) die Abstimmung des Botanischen Sondergartens in Hamburg-Wandsbek zur Wahl der Giftpflanze des Jahres 2023. Ihre Giftwirkung entfaltet die zweijährige Pflanze aus der Familie der Doldenblütler allerdings erst im zweiten Jahr, sobald sie zu blühen beginnt. Bereits die Blüten enthalten das giftige Phenylpropanderivat Apiol, das sich dann auch in den Blättern und insbesondere in den Wurzeln und Früchten der Petersilie anreichert. Im ersten Jahr und zu Beginn des zweiten Jahres nach der Aussaat, vor der Blüte, ist das Kraut aber genießbar und entfaltet seinen charakteristischen Geschmack. 

Aus einer grundständigen Rosette mit den essbaren Blättern im ersten Jahr entwickeln sich im Folgejahr 30 bis 70 cm hohe Blütenstiele mit kleinen, gelbgrünen Blüten und später daraus die Saatkörner. Hauptbestandteil des ätherischen Öls dieser Petersilienfrüchte ist Apiol, das auch Petersilienkampfer genannt wird. In höheren Dosierungen kann Apiol Nieren und Leber schädigen sowie Krämpfe der glatten Muskulatur in Blase, Darm und Gebärmutter hervorrufen. Aufgrund seiner wehenfördernden Wirkung kam Petersilienöl im Mittelalter häufig zu Schwangerschaftsbrüchen zum Einsatz. Diese endeten häufig nicht nur für den Fetus, sondern auch für die Schwangeren fatal. 

Petersilie ist also nur vor der Blütezeit genießbar, unbedenklich und sogar sehr gesund. Mit durchschnittlich etwa 160 mg Ascorbinsäure pro 100 g ist das Kraut ein wahrer Vitamin-C-Gigant. Zum Vergleich: Eine durchschnittliche Zitrone enthält pro 100 g nur etwa 50 mg Vitamin C. 

Die Giftpflanze des Jahres wird jährlich in einem öffentlichen Verfahren gewählt. In der ersten Jahreshälfte des Vorjahres erstellt der Botanische Sondergarten in Hamburg-Wandsbek eine Liste mit Pflanzenkandidaten, über die in der zweiten Jahreshälfte abgestimmt wird. Mit der alljährlichen Wahl möchte der Botanische Sondergarten das Bewusstsein für die Gefahren durch Giftpflanzen schärfen.

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