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Allergische Erkrankungen
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OTC-Switches machen Therapie leitliniengerechter

Regelmäßig anwenden, bei starker Belastung auch präventiv und wenn nötig die ganze Saison hindurch: In die Therapie von allergischen Beschwerden ist Bewegung gekommen. Immer mehr Präparate stehen für die Selbstanwendung zur Verfügung. Wie das pharmazeutische Personal helfen kann, damit die jüngsten OTC-Switches besser wirken.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 05.03.2026  18:00 Uhr

Es hat ein bisschen gedauert. Bereits im Juni 2024 hatte sich der Sachverständigenausschuss für Verschreibungspflicht dafür ausgesprochen, die antiallergische Nasenspray-Kombination Azelastin plus Fluticasonpropionat aus der Verschreibungspflicht zu entlassen. Jetzt haben verschiedene Hersteller ihre Produkte entsprechend angepasst beziehungsweise sind neu auf den Markt gekommen (wie Nasallegra®, Snup® Allerg, Duoallerg® oder Lorano® Allergiespray).

Die Fixkombination aus einem Steroid und Antihistaminikum ist geeignet für Patientinnen und Patienten ab 18 Jahren mit mittelschwerer bis schwerer saisonaler allergischer Rhinitis, bei denen eine Monotherapie mit einem intranasalen Antihistaminikum oder einem Glucocorticoid nicht ausreichend wirksam ist.

Die neuen OTC-Nasensprays vereinen nun die sofort einsetzende Wirkung des Antihistaminikums Azelastin mit dem inflammatorischen Effekt von Fluticason. Klinische Dateien zeigen, dass die nasalen Beschwerden durch die Kombinationstherapie deutlich wirksamer gelindert werden (39 Prozent bessere Symptomreduktion) als durch die jeweilige Monotherapie.

Das sehen auch die Experten der ARIA (Allergic Rhinitis and its Impact on Asthma) so. In ihrem Leitlinien-Update 2025 wird die Präferenz für die Kombination gegenüber intranasalen Corticosteroiden allein deutlich. »Das ist moderne Allergietherapie auch für die Selbstmedikation. Hat man wegen der erst nach Stunden bis Tagen einsetzenden Wirkung des Steroids zur Überbrückung in den ersten Tagen das Sprühen eines nasalen Antihistaminikums empfohlen, damit der Patient einen Effekt hat und nicht glaubt, es wirke nicht, gibt es nun beides in einem Präparat. Das macht die Therapie anwendungsfreundlicher. Hier können Apothekerinnen und Apotheker leitliniengerecht beraten«, sagte Professor Dr. Torsten Zuberbier, Direktor des Instituts für Allergieforschung an der Berliner Charité bei einer Presseveranstaltung des Unternehmens Opella. Die europäische ARIA-Leitlinie gibt im Übrigen unter den Kombinationsarzneimitteln der Azelastin-Fluticason-Kombination den Vorzug vor Olopatadin/Mometason (Ryaltris®, Rx).

In der Tat: Nasale Steroide wirken nicht sofort, ihre Wirkung - vor allem des Beclometasons - baut sich erst nach drei bis fünf Tagen regelmäßiger Anwendung auf. Beim Fluticason dauert es abhängig vom Salz (Furoat oder Propionat) 8 bis 12 Stunden und beim Mometason 12 bis 48 Stunden. Dem Allergologen zufolge sind Fluticason und Mometason die wirksamere und nebenwirkungsärmere Alternative in der Selbstmedikation. »Durch die nasale Gabe werden bei kontinuierlicher Anwendung hohe Konzentrationen in der Schleimhaut bei minimalem Risiko systemischer Nebenwirkungen erreicht. Während die systemische Bioverfügbarkeit von Beclometason Studien zufolge bei etwa 40 Prozent liegt, gelangen bei Fluticason und Mometason weniger als 2 Prozent in den Blutkreislauf.« Weiterhin verschreibungspflichtig bleiben Nasensprays mit Budesonid oder Flunisolid.

Arzneistoffgruppe Wirkstoff Besonderheiten
Antihistaminika oral
Bilastin (Allegra®, Bitosen®) Bilastin 20 mg ab 12 Jahre, Bilastin 10 mg ab 6 Jahre
Cetirizin (wie Zyrtec®)
Loratadin (wie Lorano®)
Cetirizin und Loratadin abhängig von Darreichungsform teils ab 1 Jahr
Levocetirizin (wie Levocetirizin Hexal®) Levocetirizin ab 6 Jahre
Desloratadin (wie Lorano® Pro) Desloratadin ab 2 Jahre
Clemastin (wie Tavegil®) Clemastin müde machend
Antihistaminika nasal
Azelastin (wie Allergodil® akut, Pollival®, Vividrin®) Azelastin ab 6 Jahre, bitterer Nachgeschmack
Levocabastin (wie Livocab®, Levocamed®) Levocabastin ab einem 1 Jahr, vor Anwendung schütteln, da Suspension
Nasale Steroide
Belcometasonpropionat (wie Ratioallerg® Heuschnupfenspray, Rhinivict® nasal) Erwachsene ab 18 Jahre
Verzögert einsetzende Wirkung
Sprühstoß Richtung Augenwinkel und nicht Richtung Nasenscheidewand, um Nasenbluten zu vermeiden
Fluticasonpropionat (wie Otri Allergie® Nasenspray Fluticason) Erwachsene ab 18 Jahre
Verzögert einsetzende Wirkung
Sprühstoß Richtung Augenwinkel und nicht Richtung Nasenscheidewand, um Nasenbluten zu vermeiden
Mometasonfuroat (wie Momeallerg® Galenpharma, Mometahexal®) Erwachsene ab 18 Jahre
Verzögert einsetzende Wirkung
Sprühstoß Richtung Augenwinkel und nicht Richtung Nasenscheidewand, um Nasenbluten zu vermeiden
Kombination Steroid/Antihistaminikum Azelastinhydrochlorid/Fluticasonpropionat (Nasallegra®, Duoallerg®, Snup® Allerg, Lorano® Allergiespray) Erwachsene ab 18 Jahre
Verzögert einsetzende Wirkung
Sprühstoß Richtung Augenwinkel und nicht Richtung Nasenscheidewand, um Nasenbluten zu vermeiden
Übersicht oraler und nasaler Antiallergika, die als OTC-Präparate zur Behandlung der allergischen Rhinokonjunktivitis zum Einsatz kommen

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