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Projekt Selbstverständlich Selbstmedikation
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OTC ist kein »Stiefkind« – sondern »Seele der Apotheke«

Das OTC-Geschäft verschiebt sich seit Jahren Richtung Versandhandel – sollte aber in der Apotheke vor Ort eine zentralere Rolle spielen, findet Jörg Wieczorek, Vorstandsvorsitzender von Pharma Deutschland. »OTC kann die Seele der Apotheke sein, wenn es auch so behandelt wird und nicht als Stiefkind.«
AutorKontaktAlexander Müller
Datum 23.09.2026  11:25 Uhr

Mit dem Einstieg großer Drogerieketten in den OTC-Versand könnten weitere Umsätze aus der Apotheke vor Ort abgesaugt werden. Aber das hat Wieczorek schon vor 40 Jahren gehört. Damals habe es geheißen, dass die Drogerien in den Markt drängen und OTC ein Riesenpotenzial habe, berichtet der Geschäftsführer von Hermes bei »Selbstverständlich Selbstmedikation – der OTC-Summit von Pharma Deutschland«.

Seinerzeit habe es mit dem GKV-Modernisierungsgesetz (GMG) im Jahr 2004 dramatische Veränderungen gegeben, so Wieczorek mit Verweis auf den Wegfall der OTC-Erstattung sowie der Preisbindung und die Einführung des Versandhandels. OTC-Arzneimittel seien in der Folge eher als »Stiefkind« behandelt worden.

Auf der anderen Seite werden jedes Jahr 730 Millionen Packungen nicht verschreibungspflichtiger Medikamente abgegeben, das ist jede zweite Packung. »Jeder zweite Kunde in der Apotheke ist eine Chance«, so Wieczorek. Obwohl Rx-Arzneimittel mehr als 80 Prozent des Umsatzes ausmachen, ist der Vorsitzende von Pharma Deutschland überzeugt: »Pflicht ist OTC, nicht Rx

Der Verband setzt sich unter anderem für die Vereinfachung von OTC-Switches ein. Diese sollen künftig auf Herstellerebene beantragt werden können. Mit Blick auf die Diskussion zur Eröffnung der Expopharm in der vergangenen Woche ergänzt Wieczorek: »Wir wollen keine OTC erster und zweiter Klasse.«

Erklärungsbedürftige Produkte sollten in die Apotheke gehören, weil das nicht zuletzt die Volkswirtschaft stärke und die Krankenkassen entlaste.

Umfrage: Apotheke als Vertrauensort

Eine repräsentative Civey-Umfrage im Auftrag von Pharma Deutschland zeigt derweil: Die Mehrheit der Menschen behandelt leichte Beschwerden gerne selbst, legt dabei aber großen Wert auf fachliche Beratung. Wichtigste Orientierung beim OTC-Kauf sind demnach eigene Erfahrungen (48,7 Prozent), die Beratung in der Apotheke (38,8 Prozent) und ärztliche Empfehlungen (35,4 Prozent). Preis, Werbung und Influencer spielen dagegen kaum eine Rolle.

Die Vor-Ort-Apotheke bleibe der bevorzugte Einkaufsort für OTC-Arzneimittel (49,3 Prozent) und der wichtigste Ansprechpartner für Beratung. Fast die Hälfte der Befragten bevorzugt das persönliche Gespräch, digitale Beratungsangebote werden nur selten genutzt. Vertrauen ist dabei das prägende Gefühl beim Betreten einer Apotheke. »Apotheke bleibt Vertrauensort Nummer eins«, schreibt der Verband. Dies sei ein Signal, Selbstmedikation und die Beratungsleistungen der Apotheken stärker in die Gesundheitsversorgung einzubinden.

»Die Ergebnisse sind ein politischer Auftrag«, so Pharma-Deutschland-Hauptgeschäftsführerin Dorothee Brakmann in einer Mitteilung des Verbands. Eine stärkere Förderung der Selbstmedikation und die gezielte Einbindung der Apothekenkompetenz könnten die Versorgung verbessern und Arztpraxen entlasten. Dafür seien verlässliche Rahmenbedingungen für rezeptfreie Arzneimittel, Beratung und neue Apothekenleistungen erforderlich.

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