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Drei Impfdosen

Optimiertes Impfschema für Organ-Transplantierte

Stark immunsupprimierte Patienten sprechen nur mäßig auf eine Corona-Impfung an. Andererseits drohen gerade diesen Patienten schwere Covid-19-Verläufe, wenn sie sich mit SARS-CoV-2 infizieren. Jetzt zeigen erste Studien, dass sich durch eine dritte Impfung der Immunschutz deutlich verbessern lässt.
Theo Dingermann
25.06.2021  09:00 Uhr

Patienten, die beispielsweise wegen einer Organtransplantation mit starken Immunsuppressiva behandelt werden, sprechen auf eine zweimalige Impfung mit einem mRNA-Impfstoff gegen SARS-CoV-2 nur mäßig an. Da sie selbst nach einer Impfung  gefährdet sind, schwer an Covid-19 zu erkranken, empfiehlt beispielsweise die französische Gesundheitsbehörde, diese Patienten ein drittes Mal zu impfen. Zwar erscheint diese Empfehlung plausibel, allerdings fehlte bisher die klinische Evidenz.

Diese liefern nun Professor Dr. Nassim Kamar und seine Kollegen vom Toulouse University Hospital in Frankreich. Sie publizierten die Daten einer kleinen Studie jetzt in einem »Letter« an die Herausgeber des »New England Journal of Medicine« (NEJM).

Die Wissenschaftler bestimmten die humorale Immunreaktion von 101 Patienten, die Organtransplantionen (78 Nieren-Transplantationen, 12 Leber-Transplantationen, 8 Lungen- oder Herz-Transplantationen und 3 Pankreas-Transplantationen) erhalten hatten. Diese Patienten waren entsprechend der Empfehlung der französischen Gesundheitsbehörde dreimal mit Comirnaty®, dem mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer, geimpft worden.

Stetiger Anstieg der humoralen Immunantwort

Die Probanden hatten die ersten beiden Dosen im Abstand von einem Monat erhalten. Mit einer dritten Dosis wurden sie 61 ± 1 Tage nach der zweiten Dosis geimpft. Die Zeit zwischen der Transplantation und dem Beginn des Impfschemas betrug 97 ± 8 Monate.

Die immunsuppressiven Therapien, mit denen die Patienten behandelt wurden, enthielten Glukokortikoide (87 Prozent der Patienten), Calcineurin-Inhibitoren (79 Prozent der Patienten), Mycophenolsäure (63 Prozent der Patienten), mTOR-Inhibitoren (30 Prozent der Patienten) und Belatacept (12 Prozent der Patienten).

Vor der ersten Impfung waren bei keinem der Probanden Anti-SARS-CoV-2-Antikörper nachgewiesen worden. Vor der zweiten Dosis ließen sich Antikörper nur bei vier der 101 Patienten nachweisen (4 Prozent). Vor der dritten Dosis zeigten 40 Prozent der Patienten eine positive Antikörper-Antwort. Vier Wochen nach der dritten Dosis ließen sich dann bei 68 Prozent der Patienten Anti-SARS-CoV-2-Antikörper nachweisen. Von den 59 Patienten, die vor der dritten Dosis noch seronegativ waren, induzierte die dritte Dosis bei 26 eine Serokonversion (44 Prozent) . Alle 40 Patienten, die vor der dritten Dosis seropositiv waren, waren auch vier Wochen später noch seropositiv.

Die Patienten, die auch nach einer dritten Impfdosis keine Antikörperreaktion zeigten, waren älter, wurden intensiver immunsuppressiv behandelt und wiesen eine niedrigere geschätzte glomeruläre Filtrationsrate auf als die Serpositiven. Keiner der Probanden erkrankte bisher an Covid-19.

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