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Anatomie-Tag

Ohne Vesalius keine moderne Anatomie 

Vor 455 Jahren, am 15. Oktober 1564, starb der Chirurg und Anatom Andreas Vesalius. Vesalius, eigentlich Andries Witting van Wesel, gilt als Begründer der modernen Anatomie, die er zum Fundament der Medizin machte.
PZ
15.10.2019  11:00 Uhr

Den 15. Oktober hat die Internationale Vereinigung Anatomischer Gesellschaften (International Federation of the Associations of Anatomists, IFAA) kürzlich dazu bestimmt, alljährlich nicht nur des berühmten Anatoms zu gedenken, sondern neueste Forschungsergebnisse und Anforderungen dieses Fachs der Öffentlichkeit vorzustellen.

Vesalius stammte aus einer alten Weseler Familie (der Name Vesal erinnert noch daran), die jedoch früh auswanderte. Der Vater war habsburgischer Leibapotheker am Kaiserhof Karls V. in Flandern. Andreas Vesalius (1514 bis 1564) führte systematische Sektionen menschlicher Leichen durch, löste sich völlig von den Vorstellungen Galens und beschrieb aufgrund sorgfältiger Präparationen detailliert den Bau des menschlichen Körpers einschließlich des Gehirns. »Er war der erste Anatom, der auf Basis eigener Sektionen ein wegweisendes Lehrwerk angefertigt hat«, sagt Professor Dr. Jens Waschke, Inhaber des Lehrstuhls Anatomie I der Ludwig-Maximilians-Universität München. Kennzeichnend für das revolutionierende Hauptwerk »De humani corporis fabrica libri septem« (1543) waren erstmals detaillierte Zeichnungen – ein unverzichtbares Element für den anatomischen Unterricht. Frühere Werke verfügten, wenn überhaupt, nur über kleine Übersichtszeichnungen neben großen Texten.

Die Anatomische Anstalt der LMU richtet am 15. Oktober erstmals einen Anatomie-Tag mit Vorträgen aus. »Wir wollen erklären, was den Anspruch der Anatomie ausmacht – nämlich nicht nur klinisch relevantes Wissen zu vermitteln, sondern auch intensive Forschungsarbeit zu leisten, etwa im Bereich der Zellbiologie, zu neuen klinischen Fragestellungen oder in der Neuroanatomie«, so Waschke in einer Pressemeldung der LMU. Vor allem wollen die Wissenschaftler darlegen, dass sich ihr Fach stetig und in enger Wechselwirkung mit der klinischen Forschung fortentwickelt. Die wissenschaftliche Schausammlung der Anatomischen Anstalt ist den ganzen Tag über geöffnet.

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