| Brigitte M. Gensthaler |
| 28.05.2026 18:00 Uhr |
Vor allem ältere Kunden brauchen eine hitzesensible Beratung zu ihrer Medikation. Von sich aus sprechen sie das Thema in der Apotheke aber kaum an, wie eine Feldstudie in Apotheken zeigte. / © Getty Images/RapidEye
Das ist ein zentrales Ergebnis der HeatMed-Studie der Universität Erfurt. In einer bundesweiten Feldstudie in 21 Apotheken wurde geprüft, ob Poster und Flyer in der Apotheke die Menschen für das Thema »Medikamente bei Hitze« sensibilisieren können. Dr. Dominik Daube, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt HEATCOM der Universität Erfurt, stellte die Ergebnisse bei einer Online-Fortbildung der ABDA und des Instituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) zum Thema »Hitze & Arzneimittel – sicher beraten im Sommer« vor.
In der Studie bekam ein Teil der Apotheken Poster und Flyer zu Hitze und Arzneimitteln, die die Kunden zur Nachfrage anregen sollten. Kontrollapotheken arbeiteten wie gewohnt ohne diese Materialien. Erfasst wurde, ob Kunden von sich aus hitzebezogene Fragen zu Medikamenten, Einnahme oder Lagerung stellten.
Insgesamt wurden 25.335 Transaktionen (Kassenvorgänge) in den 21 Apotheken in einer heißen Sommerwoche dokumentiert. »Proaktive Nachfragen waren sehr selten: Weniger als 0,5 Prozent der Kunden haben sich proaktiv erkundigt und auch während einer heißen Woche waren es nicht mehr«, berichtete Daube. Die Quote wurde aus dem Verhältnis der Transaktionen zu den spontanen Nachfragen errechnet.
Entgegen der ursprünglichen Annahme hätten die Poster die aktive Nachfrage nicht messbar angeregt. An sehr heißen Tagen habe es dagegen eher mehr Anfragen gegeben – egal, ob ein Poster aushing oder nicht. »Ein passiver Hinweis wie ein Poster reicht oft nicht«, betonte Daube.
Sein Fazit: »Poster und Flyer können Aufmerksamkeit wecken, aber kurze aktive Gesprächsimpulse von Seiten des Apothekenpersonals sind unbedingt nötig.« Er empfahl niederschwellige Ansätze, zum Beispiel kurze Hinweise auf hitzesensible Medikamente oder auf die korrekte Lagerung zuhause sowie die aktive Nachfrage, ob es schon einmal Probleme mit den Medikamenten gab. Wichtig sei auch der Hinweis, sich bei Unsicherheit beim Arzt oder in der Apotheke beraten zu lassen. Ziel sei es, die Schwelle für eine Beratung zu senken.
Apotheken könnten eine zentrale Rolle spielen, betonte der BIÖG-Mitarbeiter. »Besonders an heißen Tagen können kurze Hinweise helfen, Risiken frühzeitig zu adressieren.« Die hitzesensible Beratung zur Medikation sei bereits sinnvoll, bevor der heiße Sommer beginnt, damit Patienten sich mit dem Thema befassen können.
Die neue Online-Fortbildungsreihe »Town Halls für Apothekenteams« bieten das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) gemeinsam mit der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände an. Die Reihe startete gestern mit dem Thema »Hitze und Arzneimittel – Sicher beraten im Sommer«.
ABDA-Präsident Thomas Preis (links) und Dr. Johannes Nießen, Kommissarischer Leiter des BIÖG / © BIÖG
Dr. Johannes Nießen, kommissarischer Leiter des BIÖG, würdigte einleitend die Apotheken als vertraute Anlaufstelle für Menschen jeden Alters und insbesondere für Ältere. Sie leisteten einen sehr bedeutsamen Beitrag zur Gesundheitsförderung. Mit der Fortbildungsreihe wolle man wichtige Akteure der Gesundheitsförderung zusammenbringen und den Austausch stärken. Wenn neues Wissen schnell in den Apotheken ankomme, »profitieren Patientinnen und Patienten unmittelbar davon«.
ABDA-Präsident Thomas Preis verwies auf die zunehmende Verantwortung, die Apotheken in der Versorgung der Menschen und zum Wohl der öffentlichen Gesundheit übernehmen, gerade in Früherkennung und Prävention. »Jede Beratung steigert die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung.«
Die Arbeitsmaterialien der ABDA zum Thema Hitzeschutz und der Musterhitzeschutzplan für Apotheken sind bei der ABDA abrufbar.