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Grippe
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Nur eines von zehn Kindern mit Risiko wird geimpft

Kinder mit chronischen Grunderkrankungen wie Diabetes oder Asthma sollen jährlich gegen Grippe geimpft werden. Doch nur 10 Prozent dieser Kinder erhalten die Impfung, zeigen Daten des Robert-Koch-Instituts. Die Ständige Impfkommission mahnt, sich an die Empfehlungen zu halten.
AutorKontaktChristina Hohmann-Jeddi
Datum 21.09.2026  10:30 Uhr

Grippeviren verursachen jedes Jahr eine hohe Krankheitslast in den Wintermonaten, vor allem in den vulnerablen Gruppen. Dazu gehören neben Senioren und Schwangeren auch Kinder mit Grunderkrankungen wie chronischen Atemwegs-, Herz-Kreislauf- oder Stoffwechselerkrankungen, Immundefizienz oder Adipositas. Diese Kinder und Jugendlichen haben ein erhöhtes Risiko, schwer an Influenza zu erkranken oder sogar daran zu sterben. Deswegen empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO), diese vorerkrankten Kinder jedes Jahr gegen Grippe zu impfen.

Die Empfehlung besteht schon seit 30 Jahren, wird aber nur unzureichend umgesetzt, zeigen aktuelle Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI). Eine Auswertung von Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) über einen Zeitraum von elf Saisons (2014/15 bis 2024/25) ergab, dass nur etwa 10 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit impfrelevanter Grunderkrankung in der jeweiligen Influenzasaison gegen Grippe geimpft wurden. Das berichtet das RKI im aktuellen »Epidemiologischen Bulletin«. Bei unveränderter Impfquote hätten damit in der Saison 2026/27 etwa 1,1 Millionen Kinder und Jugendliche mit Grunderkrankung keinen Grippeschutz.

Die STIKO ruft dazu auf, die Empfehlung umzusetzen und mehr Risikokinder zu impfen. Ein erheblicher Teil der grippebedingten Krankenhausaufenthalte betreffe Kinder und Jugendliche. Wie das Institut informiert, fielen laut Krankenhausstatistik des Statistischen Bundesamtes für die Jahre 2015 bis 2024 insgesamt 31,4 Prozent aller erfassten Influenza-Hospitalisierungen in die Gruppe der Unter-18-Jährigen.

»Die STIKO empfiehlt daher eindringlich, der bestehenden Impfempfehlung nachzukommen und Kinder und Jugendliche mit Risikofaktoren durch eine rechtzeitige Impfung zu schützen«, heißt es in der Stellungnahme der STIKO in derselben Ausgabe des »Epidemiologischen Bulletins«. Sowohl auf individueller als auch auf Bevölkerungsebene wäre eine höhere Impfquote geeignet, um die Krankheitslast durch Influenza zu verringern.

Hohe Krankheitslast bei Kindern

Auch Professor Dr. Barbara Gärtner, Fachärztin für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg, bestätigt die hohe Krankheitslast von Kindern und Jugendlichen gegenüber dem Science Media Center Deutschland. Bei den Hospitalisierungen seien vor allem kleine Kinder besonders häufig betroffen. »Bei Kindern unter vier Jahren haben wir praktisch ähnlich hohe Hospitalisierungsraten wie bei Personen über 80 Jahren«, so Gärtner.

Verlässliche Daten zu verstorbenen Kindern aus Deutschland gebe es nicht. Aus einigen anderen Ländern lägen solche Daten aber vor. »In Großbritannien wurden in den vergangenen Jahren etwa 30 bis 100 Todesfälle bei Kindern pro Jahr erfasst, in den USA knapp 200 und in Kanada rund 80. Überträgt man diese Größenordnungen auf Deutschland, ergäben sich hierzulande etwa 40 bis 160 Todesfälle bei Kindern pro Jahr«, berichtet die Virologin. Etwa die Hälfte der betroffenen Kinder hatte eine bekannte Vorerkrankung.

Den bisherigen Fokus auf Risikogruppen sieht Gärtner als »nicht sinnvoll und sogar kontraproduktiv« an. »Die Grippe kann jeden treffen – in jedem Alter – und jeder kann schwer erkranken, Folgeschäden erleiden oder sterben.« Deshalb verdiene auch jeder den Schutz durch eine Impfung.

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