| Annette Rößler |
| 05.06.2026 07:00 Uhr |
Belumosudil ist ein Inhibitor von sowohl CYP3A4 als auch P-gp. Zu den Substraten dieser Enzyme zählen unter anderem Immunsuppressiva, die bei cGvHD eingesetzt werden, etwa Tacrolimus und Sirolimus. Ist die Kombination erforderlich, wird bis zum Erreichen des Steady State ein engmaschiges therapeutisches Drug Monitoring empfohlen. Des Weiteren inhibiert Belumosudil OATP1B1, BCRP, UGT1A1, CYP1A2, CYP3A5 und CYP2C19, weshalb auch bei gleichzeitiger Anwendung mit Substraten dieser Enzyme gegebenenfalls Dosisanpassungen notwendig sind.
Bei Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, wird die Anwendung von Belumosudil nicht empfohlen. Stillen ist während der Behandlung kontraindiziert. Männer sollen unter der Behandlung kein Kind zeugen.
Ausschlaggebend für die Zulassung von Belumosudil waren die Ergebnisse der offenen Phase-II-Studie ROCKstar (KD025-213, NCT03640481), die 156 mehrfach vorbehandelte Patienten mit cGvHD einschloss. Belumosudil wurde in der Studie zur bestehenden Behandlung der Patienten dazugegeben, und zwar randomisiert entweder in einer Dosierung von 200 mg einmal täglich oder 200 mg zweimal täglich. Der primäre Wirksamkeitsendpunkt war die Gesamtansprechrate (ORR), die sich aus einem vollständigen Ansprechen (CR) und einem teilweisen Ansprechen (PR) mit Verbesserung in mindestens einem Organ/Lokalisation ohne Progression in einem anderen Organ/Lokalisation zusammensetzte.
Der Studienarm mit einer Dosierung von 200 mg Belumosudil einmal täglich umfasste 78 Teilnehmende. In dieser Population wurde eine ORR von 73,1 Prozent erreicht (CR: 5,1 Prozent, PR: 67,9 Prozent). Die Dauer des Ansprechens (sekundärer Endpunkt) betrug median 23,9 Wochen. 65 Prozent der Probanden konnten ihre Corticosteroid-Dosis reduzieren und 21 Prozent vollständig absetzen. Anhand der validierten Lee Symptom Scale (LSS) zeigte sich bei 59 Prozent der Patienten eine Verbesserung der Lebensqualität, die als klinisch bedeutsam angesehen wird (≥ 7 Punkte).
Die häufigsten Nebenwirkungen von Belumosudil waren Ermüdung, Durchfall, Übelkeit/Erbrechen, Kopfschmerzen und erhöhte Leberenzymwerte. Als schwerwiegende Nebenwirkungen traten am häufigsten Pneumonie, Hypoxie und Diarrhö auf.
Die Zulassung von Belumosudil erfolgte unter »besonderen Bedingungen«. Das bedeutet, dass die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) weitere Nachweise für den Nutzen des Arzneimittels erwartet und diese mindestens jährlich neu prüfen wird.
Für Patienten mit chronischer Graft-versus-Host-Erkrankung (cGvHD) gibt es nur wenige Therapiemöglichkeiten. Insofern ist es für Betroffene eine gute Nachricht, dass mit Belumosudil nun eine neue Behandlungsoption für die spätere Therapielinie auf dem Markt verfügbar ist.
Belumosudil ist ein erster ROCK2-Inhibitor und stellt bei cGvHD eine mechanistisch interessante neue Therapieoption dar. Über die Hemmung von ROCK2 greift der neue Wirkstoff in zentrale immunologische und fibrotische Signalwege ein: Er moduliert die gestörte Balance zwischen proinflammatorischen Th17-Zellen und regulatorischen T-Zellen und beeinflusst zugleich profibrotische Prozesse. Damit adressiert Belumosudil nicht nur die Entzündungskomponente der cGvHD, sondern auch die in vielen Fällen klinisch besonders relevante Fibrosierung. Das kennt man von anderen Substanzen bisher nicht – ein Grund für die vorläufige Einstufung als Sprunginnovation.
Die Zulassungsstudie zeigt, dass Belumosudil bei vielen Patienten mit mindestens zwei vorherigen Therapielinien ein klinisch relevantes, anhaltendes Ansprechen und ein gutes Sicherheitsprofil zeigt. Es ist aber auch zu betonen, dass Belumosudil nur bei vorbehandelten Patienten diesen Therapiefortschritt bringt und nicht mit den in der Erstlinie standardmäßig verabreichten Corticoiden und Calcineurin-Inhibitoren sowie dem in der Zweitlinie üblichen Ruxolitinib in Konkurrenz tritt. Eine Studie mit Belumosudil in der Erstlinie hatte keinen Benefit gezeigt, weshalb der Einsatz in früheren Therapielinien laut der Firma nicht mehr angestrebt wird.
Sven Siebenand, Chefredakteur