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Coronavirus-Krise

Neuer Schwung für Digital Health

Nach dem Ausbruch des Coronavirus hat die Regierung in Japan die strikten Regelungen für Telemedizin gelockert. Die Ausgaben für Digital-Health-Systeme könnten sich demnach zwischen 2019 und 2025 mehr als verdreifachen. Ein eigenständiges E-Health-Gesetz existiert derzeit nicht, obwohl digitale Patientenakten und Rezepte zum Einsatz kommen. Diese seien aber nicht vereinheitlicht, sondern erfassen lediglich die vom Gesundheitsministerium vorgegeben Inhalte, berichtet die GTAI. Um die Versicherungsleistungen einzufordern, leiteten medizinische Einrichtungen die Daten anonymisiert an die National Receipt Database (NDB) weiter.

Noch gilt die Telemedizin in Japan als Ausnahme, weil beispielweise entsprechende Apps bislang nur selten von der nationalen Krankenversicherung übernommen werden. Dies könnte sich der Gesellschaft zufolge aber bald ändern. Demnach will das Gesundheitsministerium Ferndiagnosen und -behandlung ausbauen, um die landesweite Gesundheitsversorgung zu verbessern. Aufgrund der Pandemie sind die Vorteile der Telemedizin beim Ministerium stärker in den Fokus gerückt. Um Wartezeiten in Krankenhäusern und Kliniken zu verringern, sollen Patienten mit chronischen Erkrankungen nach einem ersten Arztkontakt künftig eine Online-Behandlung erhalten können. Bislang seien direkte Arztbehandlungen über mindestens sechs Monate lang Vorschrift, heißt es.

Grundsätzlich zeigt die japanischen Gesundheitspolitik in Richtung mehr Digitalisierung. Der Umbau dauere aber, weil das System eher konservativ und der Weg zur Zulassung langwierig sei, betont die Gesellschaft. Hinzu komme, dass die Zulassungsbehörde Pharmaceuticals and Medical Devices Agency sehr wenig Erfahrung mit digitalen Lösungen hätte.

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels gilt Japan aber mit seinem Datenmaterial als ein gutes Testareal für die Einführung digitaler Lösungen, die das Potenzial haben, die Gesundheitsversorgung zu verbessern und Kosten einzusparen.

Russland: Eine EPA zur Geburt

Auch für die russische Regierung ist die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung ein wichtiges Instrument, um die medizinische Versorgung im Land zu verbessern. Dazu ist nach GTAI-Angaben ein einheitliches staatliches Informationssystem geplant, an das künftig unter anderem die Pflichtkrankenversicherung und die Apotheken angeschlossen sind. Bis 2024 soll demnach die gesamte IT-Infrastruktur in Krankenhäusern und Polikliniken modernisiert sein, sowie der elektronische Datenaustausch zwischen Gesundheitseinrichtungen, Behörden und den Krankenversicherern funktionieren.

Bis zum Jahr 2021 muss zunächst jeder russische Bürger Zugang zu einem persönlichen Online-Postfach haben, auf dem Krankenakten und Untersuchungsergebnisse wie Röntgenbilder hinterlegt sind. Ärzte und Patienten erhalten Zugriff auf diese Daten, um einen schnellen Informationsaustausch zu gewährleisten. Neugeborene sollen ab 2022 automatisch sowohl eine elektronische Gesundheitskarte als auch eine elektronische Patientenakte (EPA) bekommen. Bereits seit 2018 können ärztliche Einschätzungen per Telefon oder Internet erfragt werden. Diagnosen hingegen dürfen weiterhin nur bei einem persönlichen Besuch in einer Arztpraxis gestellt werden. Die Gesellschaft geht davon aus, das die Coronavirus-Pandemie die Entwicklung beschleunigt. Ein neuer Gesetzentwurf sieht vor, per Telemedizin auch ärztliche Diagnosen und die Ausstellung elektronischer Rezepte zu ermöglichen. Ein weiteres Anwendungsfeld der Telemedizin in Russland ist demnach die Fort- und Weiterbildung des medizinischen Fachpersonals.

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