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Covid-19-Impfstoffe

Neue Wege zur Zulassung

Augenmerk auf theoretisch Risiken

Augenmerk auf theoretisch Risiken

Im Übrigen werde besonders auch Fragen zu theoretischen Risiken große Aufmerksamkeit geschenkt, so Kirsch-Stefan. Grundlage dafür sei unter anderem die Beobachtung aus den 1960-ziger Jahren, dass ein Impfstoff auf Basis eines formalininaktivierten Impfstoffs gegen das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) bei Kleinkindern eine verstärkte respiratorische Erkrankung (enhanced respiratory disease, ERD) gezeigt hatte. Dieses Phänomen wurde auch bei frühen inaktivierten Masern-Impfstoffen gesehen. Derzeit geht man davon aus, dass eine vorwiegend Th2-gerichtete Immunantwort eine entscheidende Rolle zu spielen scheint, die es zu vermeiden gilt.

Eine weitere, zumindest theoretische Komplikation könnte das Phänomen der sogenannten Antikörper-abhängigen Verstärkung (antibody dependent enhancement, ADE) darstellen, welche z.B. bei Dengue-Impfstoffen beobachtet wurde und welche auf die Bindung nicht-neutralisierender Antikörper zurückgeführt wird. Diese Antikörper verhindern nicht die Infektion des Virus, sondern der Antikörper-Viruskomplex bindet über Fc-gamma Rezeptoren an bestimmte Zellen des Immunsystems. Dies ermöglicht die Aufnahme des Virus in diese Zellen, in welchen sich die Viren anschließend vermehren und eine Infektionsverstärkung hervorrufen können.

Die Impfstoffentwickler müssen den Arzneimittelbehörden nachweisen, dass sie diese theoretischen Risiken durch entsprechende Studien adressieren.

Von der enormen Wirksamkeit einiger der bereits zugelassenen Impfstoffe zeigte sich auch die Expertin überrascht. Dies betrifft nicht nur die durchschnittliche Wirksamkeit über alle Altersgruppen, sondern auch die konsistente Wirksamkeit für diskrete Altersgruppen. Besonders die mRNA-Impfstoffe imponieren hier selbst für die sehr alten Menschen, die bekanntlich zu den besonders Gefährdeten gehören.

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