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Schmerzmittel-Missbrauch
Neue Leitlinie zu Kopfschmerz durch Medikamenten-Übergebrauch

Oft hilft nur ein Entzug

»Grundsätzlich muss immer ein Entzug oder zumindest eine sanfte Reduzierung der Übergebrauchsmedikamente erfolgen, um den MOH langfristig zu therapieren«, betont die Fachgesellschaft. Ein erfolgreiches Ausschleichen oder Absetzen der Schmerzmedikation gelinge fast nur in sehr enger Betreuung, die je nach Komplexität und Zustand des Patienten stationär, teilstationär oder ambulant erfolgen kann. Wichtig sei eine multidisziplinäre Betreuung, inklusive verhaltenstherapeutischer Maßnahmen.

Unklar sei noch, zu welchem Zeitpunkt bei Migränepatienten mit MOH eine gezielte Migränetherapie, zum Beispiel mit Onabotulinumtoxin Typ A oder CGRP-Antikörpern, erfolgen sollte. »Im Prinzip ist es ratsam, die Patienten zunächst vom Schmerzmittel-Übergebrauch zu entwöhnen, bevor man diese spezifischen Migränemittel einsetzt, auch um beurteilen zu können, wie stark und häufig die Kopfschmerzen sind, wenn der MOH wegfällt«, erklärt Diener. »Auf der anderen Seite darf man nicht vergessen, dass gerade Patienten mit chronischer Migräne stark leidgeprüft sind und wir ihnen eine wirksame Medikation nicht über längere Zeit vorenthalten sollten.« Die Entscheidung, wann die Migränetherapie initiiert wird, sei also immer individuell zu treffen.

»Bei einer Prävalenz von 70 Prozent bei Patienten mit chronischen Kopfschmerzen, das sind geschätzt über eine halbe Million Menschen, ist die MOH ein relevantes Gesundheitsproblem, das eine gesamtgesellschaftliche Aufmerksamkeit erfahren sollte«, betont DGN-Generalsekretär Berlit. Die europäische Leitlinie trage dazu bei. »Sie wird hoffentlich vielen Betroffenen zur Schmerzfreiheit oder zumindest einer deutlichen Verbesserung der Kopfschmerzen verhelfen.«

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