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Covid-19

Neue Daten zur Antikörpertherapie

Ob Bamlanivimab und Etesivimab zusammen auch klinische Parameter beeinflussen, soll im Phase-III-Teil von BLAZE-1 ermittelt werden. Und hier vermeldete Lilly gestern Positives: In diesem Teil der Studie seien der primäre und alle wichtigen sekundären Endpunkte erreicht worden. Die Gabe der beiden Antikörper mit jeweils 2800 mg habe die kombinierte Rate von Krankenhauseinweisungen und Todesfällen bis zum Tag 29 – zusammengefasst als »Ereignisse« – verglichen mit Placebo um 70 Prozent gesenkt. In der Untersuchung mit insgesamt 1305 Teilnehmern sei es in der Verumgruppe zu elf Ereignissen gekommen und in der Placebogruppe zu 36. Alle zehn Todesfälle seien in der Placebogruppe zu verzeichnen gewesen.

Diese Daten wurden zunächst von Lilly kommuiziert und sind bislang noch nicht in einem wissenschaftlichen Journal veröffentlicht worden. In der Pressemitteilung informiert der Hersteller auch über seine weiteren Pläne mit den Präparaten. So sei eine Notfallzulassung für Etesivimab bei der FDA im November beantragt worden. Erste Ergebnisse einer weiteren Studie des BLAZE-Programms, BLAZE-4 (NCT04634409), hätten gezeigt, dass eine niedrigere Dosis, nämlich Bamlanivimab mit 700 mg und Etesivimab mit 1400 mg statt beides mit 2800 mg, genauso wirksam sei. Auch arbeite man zusammen mit der FDA daran, die vorgeschriebene Dauer der Infusion von derzeit 60 Minuten auf 16 Minuten zu verkürzen.

Passive Immunisierung mit Casirivimab und Imdevimab

Ebenfalls in einer Pressemitteilung informiert Regeneron, Hersteller des Antikörper-Cocktails aus Casirivimab und Imdevimab (REGEN-COV™), über die Ergebnisse einer Zwischenanalyse einer laufenden randomisierten und placebokontrollierten Phase-III-Studie (NCT04452318). In dieser erhalten Personen, die aufgrund der Exposition zu einer Covid-19-infizierten Person im Haushalt ein hohes eigenes Infektionsrisiko tragen, Casirivimab und Imdevimab als passive Immunisierung zur Vorbeugung der Infektion. Dabei werden die beiden Antikörper nicht infundiert, wie es laut der US-Notfallzulassung bei Erkrankten vorgesehen ist, sondern einmalig subkutan verabreicht (1200 mg).

Die Zwischenanalyse zeigt positive Effekte: Während sich in der Placebogruppe 23 von 223 Personen mit SARS-CoV-2 infizierten, war dies in der Verumgruppe nur bei 10 von 186 Teilnehmern der Fall. Eine Infektion mit Symptomen trat in der Verumgruppe bei keiner der 186 Personen auf, in der Kontrollgruppe waren dagegen acht Menschen davon betroffen. »Diese Daten legen nahe, dass die passive Immunisierung mit dem Antikörper-Cocktail sowohl die Übertragung des Virus als auch die Virus- und Krankheitslast bei dennoch Infizierten reduzieren kann«, so Dr. George D. Yancopoulos von Regeneron.

Trotz der zunehmenden Verfügbarkeit von aktiven Impfstoffen gebe es weiterhin sehr viele Menschen, die sich infizierten und das Virus an engen Kontakte weitergäben. Die Antikörper-Kombination könne möglicherweise dazu beitragen, diese Kette zu durchbrechen, indem sie Personen mit hohem Infektionsrisiko eine sofortige passive Immunität biete. Der Mediziner verweist zudem darauf, dass immungeschwächte Personen auf einen Aktivimpfstoff möglicherweise nicht gut ansprechen, sodass die passive Immunisierung das Potenzial haben könnte, eine Option für diese Person zu werden.

Bevor es so weit ist, gilt es aber, die endgültigen Daten der Studie abzuwarten. Regeneron erwartet diese zu Beginn des nächsten Quartals – und kündigt an, sie mit den Regulierungsbehörden dann schnell zu besprechen und auszuloten, ob es eine Erweiterung der US-Notfallgenehmigung geben kann. Dasselbe käme irgendwann möglicherweise auch für Bamlanivimab/Etesivimab infrage, denn auch Lilly testet den Einsatz seiner Antikörper als passive Immunisierung in der BLAZE-2-Studie (NCT04497987).

REGEN-COV wird zusätzlich zu der Phase-III-Studie zur Prävention von Covid-19 nicht nur zur Behandlung von nicht hospitalisierten Infizierten untersucht, sondern auch in zwei Krankenhausstudien im Spätstadium der Erkrankung. Das ist etwas überraschend, weil man bisher davon ausging, dass die therapeutischen Antikörper möglichst frühzeitig gegeben werden müssen, um einen Wirkeffekt zu erzielen.

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