Albträume und wenig erholsamer Schlaf können Nebenwirkungen eines Orexin-Rezeptoragonisten sein. / © Adobe Stock/ryanking999
Lemborexant gehört zu den dualen Orexin-Rezeptorantagonisten (DORA) und ist seit 2019 in den USA zur Behandlung von Schlaflosigkeit zugelassen. In Europa ist der Wirkstoff noch nicht auf dem Markt, die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) prüft aber seit Juli 2026 einen entsprechenden Antrag. Der bislang einzige DORA mit EU-Zulassung ist Daridorexant (Quviviq™), das in Deutschland 2022 auf den Markt kam.
Forschende um Abanoub J. Armanious von der Rutgers Universität in New Jersey, USA, haben nun untersucht, welche Erfahrungen Anwender mit Lemborexant machten. Sie analysierten Daten von 260 Online-Bewertungen des Medikaments, die zwischen 2020 und 2023 bei Drugs.com eingereicht wurden. Die Nutzer bewerteten die Wirkung und schilderten ihre Erfahrungen. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift »Sleep Medicine« veröffentlicht.
Die Erfahrungen variierten stark: Rund 30 Prozent der Rezensenten berichteten von einer deutlichen Verbesserung ihrer Schlafqualität. Etwa die Hälfte nahm dagegen nur einen geringen oder gar keinen Nutzen wahr. 70 der 260 Personen gaben an, Lemborexant bereits abgesetzt zu haben oder die Einnahme beenden zu wollen.
Auch von Nebenwirkungen wurde häufig berichtet. Etwa zwei Drittel der Rezensenten nannten mindestens eine Nebenwirkung. Besonders häufig erwähnten sie lebhafte Träume oder Albträume sowie Schläfrigkeit am Folgetag. Einige Betroffene schilderten außerdem Schafparalysen. Dabei sind Menschen beim Einschlafen oder Aufwachen zwar bei Bewusstsein, könne sich vorübergehend jedoch nicht bewegen oder sprechen. Schlafparalysen wurden in 40 Prozent der Bewertungen von Personen erwähnt, die das Medikament abgesetzt hatten oder absetzten wollten.
Ähnliche Nebenwirkungen sind auch für Daridorexant bekannt. Laut Fachinformation können beispielsweise Schlafparalysen insbesondere zu Beginn der Behandlung auftreten.
Die Forschenden vermuten, dass die Blockade der Orexin-Signalübertragung den REM-Schlaf beeinflussen könnte. In dieser Schlafphase treten besonders intensive Träume auf, während die Skelettmuskulatur normalerweise weitgehend gehemmt ist. Veränderungen des REM-Schlafs könnten möglicherweise dazu beitragen, dass Traumerlebnisse besonders intensiv wahrgenommen werden oder Schlafparalysen auftreten.
Die Ergebnisse zeigen, dass neben der Wirksamkeit auch die Verträglichkeit eines Schlafmittels für die Fortsetzung der Behandlung entscheidend ist. Die Online-Bewertungen erlauben allerdings keine Aussage darüber, wie häufig die beschriebenen Erfahrungen unter allen Anwendenden auftreten. In klinischen Studien mit Lemborexant traten Schlafparalysen bei weniger als 2 Prozent und Albträume bei 3 Prozent der Behandelten auf. Die Forschenden weisen darauf hin, dass Menschen mit besonders positiven oder negativen Erfahrungen eher Bewertungen veröffentlichen. Die Ergebnisse spiegeln deshalb nicht unbedingt die Erfahrung alle Anwender wider.