Laut Boettcher ist eine Therapie vor allem dann sinnvoll, wenn eine deutliche psychische Belastung beziehungsweise zusätzliche psychische Erkrankungen bestehen, etwa Depressionen oder Angststörungen. Masking kann so tief verankert sein, dass der Zugang zum eigenen Selbst schwerfällt. Wichtig: Psychotherapie zielt nicht darauf ab, Autismus oder autistische Merkmale zu behandeln, sondern die begleitenden psychischen Belastungen zu lindern, so Boettcher. In der Therapie kann laut Reiners daran gearbeitet werden, die eigene Wahrnehmung zu stärken, Selbstakzeptanz zu entwickeln und neue Strategien im Umgang mit sozialen Anforderungen zu finden.
Wer lange camoufliert, erlebt laut qualitativen Studien vor allem im Erwachsenenbereich oft Irritation oder Ablehnung – selbst von nahestehenden Personen –, wenn er das Masking reduziert und wieder das eigene Ich zeigt, so Boettcher. »Und vielleicht spiegelt das wider, wie sehr eigentlich autistische Menschen in unserer Gesellschaft unter Druck stehen, sich anzupassen.«
Reiners betont, dass andere oft an bestimmte Verhaltensweisen gewöhnt sind. Veränderungen sollten daher schrittweise angegangen und zunächst mit vertrauten Menschen erprobt werden. Offene Gespräche über eigene Bedürfnisse und neurodivergente Erfahrungen fördern Verständnis. Ein stabiles Selbstgefühl und unterstützende Beziehungen helfen, gelassener damit umzugehen – und das eigene Ich wieder stärker in den Mittelpunkt zu rücken.