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US-Umfrage
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Mythen zu Antibiotika halten sich hartnäckig

Einer US-Umfrage zufolge bevorzugt die Mehrzahl der Patienten eine längere Einnahmedauer von Antibiotika, obwohl deren Notwendigkeit wissenschaftlich längst widerlegt ist. Die Autoren fordern, dass die »One-to-One«-Abstimmung zwischen Arzt und Patient schneller nachziehen müsse, wenn sich die Evidenz ändert. 
AutorKontaktJohanna Hauser
Datum 20.08.2026  12:30 Uhr

Die Erkenntnisse der letzten Jahre zur optimalen Anwendung von Antibiotika bewogen ein Team um Dr. Alistair Thorpe von der University of Utah Health dazu, 1475 erwachsene US-Bürger zwischen März und April 2024 zu ihren Überzeugungen rund um Antibiotika zu befragen.

Im Mittelpunkt standen die Fragen, welche Behandlungsdauer bevorzugt wird und welche Einstellungen dahinterstehen: Wie wird die klassische Empfehlung, Antibiotika stets bis zum Ende einzunehmen, bewertet? Wie werden kürzere Therapien wahrgenommen? Und welche Faktoren beeinflussen die Präferenz für eine lange oder kurze Einnahmedauer? Die im Fachjournal »Open Forum Infectious Diseases« veröffentlichten Ergebnisse mögen überraschen.

Längere Therapie bevorzugt

Die Befragung ergab, dass 60,4 Prozent der Teilnehmer bei bakteriellen Atemwegsinfektionen eine längere Therapie (≥ 7 Tage) bevorzugten. Dabei hielten 63 Prozent der Befragten diese auch für wirksamer als kürzere Therapieregime. 61,5 Prozent hielten eine längere Einnahme auch für sicherer. Doch warum?

Eine Analyse der Daten ergab, dass Personen in höherem Lebensalter mit starkem Vertrauen in die Ärzte und ohne Angst vor Nebenwirkungen die längeren Therapieregime häufiger präferierten. Eine Rolle spielte zudem, ob Kampagnen zur korrekten Einnahme bekannt waren und ob Personen, die ein früheres Absetzen empfahlen, als inkompetent eingeschätzt wurden.

88,4 Prozent der Befragten befürworteten zudem die Aussage, dass es wichtig sei, verordnete Antibiotika immer vollständig einzunehmen, auch wenn man sich bereits besser fühlt. Dabei gaben etwas mehr als die Hälfte (61,5 Prozent) an, sich an entsprechende Botschaften aus öffentlichen Kampagnen oder Gesundheitsinformationen zu erinnern. 76,3 Prozent hatten diese Information von medizinischem Personal erhalten.

Hohes Vertrauen in ärztliche Empfehlungen

Insgesamt ist das Vertrauen in ärztliche Empfehlungen zur Antibiotikadauer sehr hoch: 92,9 Prozent stimmten der Aussage zu, sie vertrauten den Empfehlungen ihres Arztes zur Dauer der Antibiotikatherapie. Gleichzeitig wurden lediglich 17,5 Prozent jemals darüber informiert, Antibiotika abzusetzen, sobald sie sich besser fühlten.

Dem Vertrauen tat das allerdings keinen Abbruch. 59,2 Prozent der Befragten gaben an, sich zumindest einigermaßen wohl damit zu fühlen, wenn ihr Arzt genau das empfehlen würde. 57,4 Prozent würden einen Arzt, der eine solche Empfehlung gibt, auch für zumindest einigermaßen kompetent halten.

Das könnte laut den Autoren darauf hindeuten, dass die Bevölkerung aufgeschlossener für neue Empfehlungen ist als ursprünglich erwartet.

Bedeutung für die Praxis

Zuerst muss betont werden, dass die Umfrage die US-amerikanischen Vorstellungen widerspiegelt und nicht 1:1 auf Deutschland übertragbar ist.

Die Daten zeigen eine deutliche Diskrepanz zwischen Wissenschaft und Alltag. Studien belegen, dass bei vielen bakteriellen Infektionen kürzere Antibiotikatherapien ebenso wirksam und sicher sind wie längere. Zugleich gibt es bislang kaum belastbare Evidenz dafür, dass das vorzeitige Beenden einer korrekt verordneten Behandlung unter den richtigen Bedingungen Resistenzen fördert. Für manche Erkrankungen, etwa Tuberkulose oder bestimmte Staphylokokken-Infektionen, ist eine längere Therapie jedoch weiterhin notwendig.

Patienten sollten die Dauer einer Antibiotikatherapie deshalb nie eigenmächtig verändern, sondern mit dem behandelnden Arzt abstimmen.

Dass mehr als 90 Prozent der Befragten ärztlicher Beratung vertrauen, ist eine Chance, neue wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis zu übertragen. Die Autoren sehen Ärzte daher als wichtigste Vermittler neuer Empfehlungen zu kürzeren Therapien. Änderungen sollten als normaler wissenschaftlicher Fortschritt erklärt werden, damit Patienten nachvollziehen können, warum frühere Empfehlungen angepasst werden. Zudem sollten die Risiken unnötig langer Antibiotikagaben stärker kommuniziert werden. Dafür braucht es eine differenziertere Kommunikation: Statt einfacher Slogans wie „Immer zu Ende nehmen“ oder „Kürzer ist besser“ sollten Empfehlungen erläutert werden, da die optimale Therapiedauer vom jeweiligen Krankheitsbild abhängt.

 

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