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Studie mit Leistungssportlern

Myokarditis häufig unbemerkt nach Covid-19

Eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 kann wie andere Virusinfekte auch eine Entzündung des Herzmuskels (Myokarditis) auslösen. Diese sollte unbedingt auskuriert werden, um bleibende Herzschäden zu vermeiden, bleibt aber oft unbemerkt, wie eine Studie aus den USA zeigt.
Annette Rößler
04.06.2021  16:30 Uhr

Bereits im vergangenen Jahr hatten Untersuchungen mit Covid-19-Genesenen darauf hingedeutet, dass SARS-CoV-2 offenbar zu den viralen Erregern gehört, die eine Myokarditis auslösen können. Dass die Herzmuskelentzündung dabei häufig vom Betroffenen gar nicht bemerkt wird, zeigt jetzt eine Studie mit Leistungssportlern aus den USA.

Dort nutzten Forscher um Dr. Curt Daniels von der Ohio State University in Columbus eine Möglichkeit des Screenings, die sich durch eine Regelung der sogenannten Big Ten Conference bot: Sporlerinnen und Sportler, die in einer Sportart dieses Zusammenschlusses von College-Ligen aktiv sind, müssen sich nach einer SARS-CoV-2-Infektion vor der Wiederaufnahme des Trainings einem intensiven kardiologischen Checkup unterziehen. So sollen eine Verschleppung einer viralen Myokarditis und entsprechende Folgeschäden verhindert werden, die bei Leistungssportlern immer wieder zum plötzlichen Herztod führen.

Wie die Gruppe im Fachjournal »JAMA Cardiology« berichtet, nahmen 1597 Athleten an der Untersuchung teil, die unter anderem ein EKG, die Bestimmung des Troponinwerts und ein Herz-MRT beinhaltete. Dabei wurde bei 37 Teilnehmern (2,3 Prozent) eine Myokarditis festgestellt, wobei allerdings nur neun von ihnen klinische Symptome hatten. 28 Teilnehmer hatten eine subklinische Myokarditis, das heißt Auffälligkeiten im EKG oder beim Troponinwert, aber keine Symptome.

Viele Fälle wären unerkannt geblieben

Von sich aus hätten lediglich fünf Patienten über kardiale Symptome berichtet, die apparative Untersuchung steigerte also die Rate der entdeckten Myokarditiden um das 7,4-Fache. Follow-up-MRT-Untersuchungen nach 4 bis 14 Wochen zeigten bei 11 von 27 Patienten eine vollständige Besserung der Herzmuskelentzündung, bei den restlichen 16 wurden Vernarbungen des Myokards detektiert.

Da immerhin 1,8 Prozent der Covid-19-Genesenen in dieser Studie eine unbemerkte subklinische Myokarditis aufwiesen, raten die Autoren zu weiteren MRT-Screenings bei Sportlern nach einer SARS-CoV-2-Infektion, um einerseits Fälle zu detektieren und andererseits den Verlauf zu beobachten. Für die breite Masse der Covid-19-Genesenen wird dies wegen des Aufwands und der Kosten der Untersuchung allerdings nicht infrage kommen und wahrscheinlich auch nicht unbedingt notwendig sein, denn die körperliche Belastung ist in der Allgemeinbevölkerung ja viel geringer als im Leistungssport. Gleichwohl sollten Rekonvaleszente, die wieder körperlich aktiv sein wollen, es beim Sport nach einer SARS-CoV-2-Infektion zunächst auf keinen Fall übertreiben.

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