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Sarkopenie und Frailty
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Muskelschwäche mit krassen Folgen

Muskelschwund und Gebrechlichkeit sind im höheren Lebensalter weit verbreitet, werden jedoch häufig zu spät erkannt oder als normaler Alterungsprozess fehlgedeutet. Stürze, Hospitalisierungen, Autonomieverlust sowie eine reduzierte Lebensqualität und -erwartung sind die Folgen. Bei rechtzeitiger Therapie ist der Verlauf oft reversibel.
AutorKontaktSilke Kerscher-Hack
Datum 09.06.2024  08:00 Uhr

Der Umbau von Muskulatur in Fettgewebe ist ein physiologischer Vorgang, der etwa ab dem 30. Lebensjahr beginnt. Faktoren wie Inaktivität, Übergewicht oder chronische Erkrankungen beschleunigen diesen Prozess. Relevant wird der Verlust allerdings erst dann, wenn Gleichgewichtsprobleme zu Stürzen führen oder wenn alltägliche Aktivitäten, zum Beispiel von einem Stuhl aufzustehen, Mühe bereiten. Eine Sarkopenie entsteht (1).

Der Begriff Sarkopenie, zusammengesetzt aus den griechischen Wörtern »sarx« (Fleisch) sowie »penia« (Mangel), wurde erstmals 1989 von Irwin H. Rosenberg eingeführt und beschrieb zunächst ausschließlich einen Mangel an Muskelmasse. Keine Beachtung fanden damals Muskelkraft und körperliche Leistungsfähigkeit. Dies änderte sich allerdings 2010 mit der Veröffentlichung des Konsensuspapiers der Europäischen Arbeitsgruppe für Sarkopenie bei älteren Menschen (EWGSOP). Laut der hierin enthaltenen Definition handelt es sich bei Sarkopenie um ein geriatrisches Syndrom mit progressivem und generalisiertem Muskelmassen- und Muskelfunktionsverlust. Im Jahr 2018 wurde die erste Version überarbeitet und als EWGSOP2 publiziert.

▶ Sarkopenie ist heute definiert als fortschreitende Muskelkrankheit. Hauptmerkmal ist die eingeschränkte Muskelkraft (1–4, 45).

In Deutschland gilt Sarkopenie seit 2018 als Krankheit, die auch in die 10. Revision des Internationalen Klassifikationssystems der Krankheiten (ICD-10) aufgenommen wurde. Davor wurde Sarkopenie als geriatrisches Syndrom angesehen.

Die Angaben zur Häufigkeit variieren stark. Grund hierfür sind unter anderem die unterschiedlichen Diagnosekriterien der einzelnen Fachgesellschaften und Expertengremien sowie uneinheitliche Messmethoden. Schätzungsweise sind jedoch etwa 10 Prozent der Über-60-Jährigen betroffen, wobei die Prävalenz mit dem Alter zunimmt (2, 4, 47).

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