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Post-Sepsis-Syndrom
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Mühsames Leben nach einer Sepsis

Jede schwere Infektion kann in eine Sepsis münden. Doch eine überwundene Septikämie bedeutet meistens nicht das Ende der Probleme. Es können gesundheitliche Einschränkungen folgen, die nur mit viel Energie und Geduld teilweise erst nach Jahren wieder weichen.
AutorKontaktEgid Strehl
Datum 25.06.2023  08:00 Uhr

Risikofaktoren und Prophylaxe

Hauptrisikofaktor für ein PSS ist naturgemäß eine erhöhte Anfälligkeit für schwere Infektionen aufgrund einer reduzierten Immunkompetenz, zum Beispiel infolge von Tumoren oder Organtransplantation. Weitere prädisponierende Faktoren sind schwere Organschäden beziehungsweise -versagen wie ein zeitnah aufgetretenes akutes Versagen des Herzens, der Nieren oder der Lunge (3). Prinzipiell können die meisten Infektionen zu einer Sepsis führen. Doch gibt es eine Reihe von gesundheitlichen Problemen und Cofaktoren, die das Sepsisrisiko signifikant erhöhen (Tabelle 2). Dazu zählen:

  • geschwächtes Immunsystem,
  • chronische Erkrankungen,
  • Patienten, die Erregern zusätzliche Eintrittspforten bieten.
Begünstigende Komorbidität Beispiele
Geschwächtes Immunsystem Neugeborene und Kleinkinder im ersten Lebensjahr
ältere Menschen jenseits von 60 Jahren
Menschen nach Organtransplantation
Menschen ohne (funktionierende) Milz
Aids-Patienten
Menschen unter immunsuppressiver Medikation, zum Beispiel antirheumatisch wirksame Biologika wie Etanercept, Infliximab und andere
Alkohol- und Drogenabhängige
Chronische Krankheiten Krebs
Atemwegserkrankungen, besonders bei Gabe von systemisch wirksamen Corticosteroiden
Nieren und Leberschäden
Diabetes mellitus
Eintrittspforten für Erreger schwere innere und äußere Verletzungen
großflächige Verbrennungen
offene postoperative Wunden
liegende Katheter, Stomata oder Drainagen
Tabelle 2: Menschen mit einem hohen Sepsisrisiko

Hieraus geht hervor, dass die beste Prophylaxe im Vermeiden von Infektionen besteht. Aufseiten der Hygiene sind grundsätzlich akribisches Händewaschen und gründliches Reinigen und Desinfizieren von Wunden unerlässlich. Genauso unverzichtbar – besonders für die Risikogruppen und für Personen über 60Jahren– sind Impfungen, an vorderster Stelle gegen die saisonale Grippe, Covid-19 und Pneumokokken. Eine gesunde Lebensführung, das Vermeiden von immunsupprimierendem Dauerstress und ein zurückhaltender Genussmittelkonsum ergänzen und forcieren die infektionspräventiven Maßnahmen.

Mehrere Studien belegten ein erhöhtes Risiko für eine lebensgefährliche Septikämie bei Patienten mit kardiovaskulären, onkologischen und immunologischen Erkrankungen sowie bei organtransplantierten und asplenischen Menschen. Bei Letzteren – rund 1 Promille der Bevölkerung – verlaufen Infektionen, namentlich der Lunge und Hirnhäute, besonders lebensbedrohlich. Impfungen gegen Pneumo- und Meningokokken sowie gegen Haemophilus influenzae sind deshalb streng indiziert.

Herz-Kreislauf-Patienten weisen ebenfalls eine erhöhte Rehospitalisierungsrate und Übersterblichkeit auf. Als Ursachen werden die ventrikuläre Dysfunktion, vermehrte Entzündungsherde, generalisierte Gerinnungsstörungen und arteriosklerotische Läsionen diskutiert. Unter diesen Voraussetzungen können beträchtliche Gangräne entstehen, sodass schließlich Amputationen von Fingern, Zehen oder ganzer Gliedmaßen drohen (4).

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