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Studie

Moderater Alkoholkonsum erhöht Krebsrisiko

Etwa 4 Prozent aller im vergangenen Jahr erstmals festgestellten weltweiten Krebserkrankungen könnten nach Einschätzung einer Expertenkommission mit dem Konsum von Alkohol zusammenhängen. Dabei erhöhe bereits moderater Alkoholkonsum das Krebsrisiko.
dpa
PZ
14.07.2021  13:35 Uhr

Das Team um Harriet Rumgay von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC), einer Einrichtung  der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Lyon, präsentiert seine Studie im Journal »The Lancet Oncology«. In absoluten Zahlen ging es um gut 741.000 Krebserkrankungen, die laut Studie mit Alkoholkonsum verbunden sein könnten. In etwa drei Viertel der Fälle seien Männer betroffen. Die Studie arbeitete mit geschätzten Werten. Auswirkungen der Coronapandemie auf den Alkoholkonsum sowie gemeldete Krebserkrankungen gingen daher nicht mit in die Ergebnisse ein.

In Deutschland standen den Berechnungen zufolge im vergangenen Jahr etwa 21.500 erstmals diagnostizierte Krebserkrankungen im Zusammenhang mit dem Konsum von Alkohol. Das sei ebenfalls ein Anteil von 4 Prozent. Besonders hoch lag der geschätzte Anteil unter anderem in Osteuropa und Ostasien mit etwa 6 Prozent. Die geringste Rate hatten Nordafrika und Westasien. Unter den Diagnostizierten befänden sich zwar vor allem Menschen mit hohem Alkoholkonsum. In 14 Prozent der Fälle seien es jedoch auch Personen mit »moderatem« Trinkverhalten gewesen – das entspreche 20 g Alkohol pro Tag, also etwa zwei kleinen Gläsern Wein oder einem halben Liter Bier.

»Jeglicher Alkoholkonsum birgt ein Risiko«, sagt einer der Studienautoren, Dr. Jürgen Rehm, laut einer Pressmitteilung des »Centre for Addiction and Mental Health« (CAMH), Kanada. »Und hinsichtlich alkoholbedingter Krebserkrankungen ist jedes Maß an Konsum mit einem gewissen Risiko verbunden. So ist beispielsweise jedes Glas Wein in Standardgröße pro Tag mit einem 6 Prozent höheren Risiko für die Entwicklung von weiblichem Brustkrebs verbunden.« 

Worauf ist das erhöhte Risiko zurückzuführen?

Nach Angaben der Studienautoren beschädigt Alkohol die menschliche DNA und beeinflusst den Hormonhaushalt im Körper, was zu einer Krebserkrankung beitragen kann. Besonders häufig im Zusammenhang mit Alkohol seien Speiseröhren-, Leber- und bei Frauen auch Brustkrebs. 

»Alkohol kann Krebs auf verschiedene Wegen begünstigen«, erklärt Dr. Kevin Shield als ein weiterer Autor der Studie. »Der Hauptmechanismus ist die Beeinträchtigung der DNA-Reparatur. Weitere Wege sind chronischer Alkoholkonsum, der zu Leberzirrhose führt, und Alkoholkonsum, der zu einer Dysregulation der Sexualhormone führt, was  Brustkrebs begünstigt. Alkohol erhöht außerdem das Risiko von Kopf- und Halstumoren bei Rauchern, da dieser die Aufnahme von Karzinogenen aus dem Tabak erhöht.«

Die Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen leichtem bis mäßigem Alkoholkonsum und Krebs seien relativ neu, sagt Rehm und fügt hinzu, dass die Öffentlichkeitspolitik das Ausmaß des Risikos noch nicht widerspiegele. »Als Epidemiologe würde ich höhere Steuern empfehlen, um die durch Alkohol verursachte Krankheitslast vollständig zu reflektieren.«

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