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Aktualisierte Leitlinie

Alkoholprobleme frühzeitig erfassen und intervenieren

Regelmäßiger Alkoholkonsum gehört zu den wichtigsten vermeidbaren Gesundheitsrisiken in Deutschland und pro Tag sterben etwa 200 Menschen durch zu hohen Alkoholkonsum. Dennoch bekommt nur jeder zehnte Abhängige spezifische Hilfe. Eine S3-Leitlinie setzt auf Früherkennung und -intervention.
Brigitte M. Gensthaler
22.01.2021  09:00 Uhr

»Alkoholkonsum und alkoholbezogene Störungen finden in der Mitte der Gesellschaft statt«, betonte Professor Dr. Falk Kiefer vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim bei einer Online-Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Bei der Pressekonferenz wurden die aktualisierten S3-Leitlinien zu Alkohol- und Tabak-bezogenen Störungen sowie die neue Leitlinie zu medikamentenbezogenen Störungen vorgestellt.

Fast ein Viertel der Erwachsenen konsumiert Alkohol in riskanten Mengen oder erfüllt die Kriterien für schädlichen Konsum oder eine Abhängigkeit. Zugleich bestehe eine sehr starke Stigmatisierung alkoholabhängiger Menschen, hob Kiefer hervor. Die meisten bekämen keine spezifische Behandlung. »Nur etwa 10 Prozent werden vom Suchthilfesystem versorgt.« Infolge der Coronavirus-Pandemie und der sozialen Isolierung scheinen Alkoholkonsum und weitere Folgeerkrankungen zuzunehmen, befürchten die Suchtmediziner. Eine Erhebung in Süddeutschland habe einen erhöhten Alkohol- und Tabakkonsum bei knapp 40 Prozent der Befragten im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 ergeben, hieß es bei der Pressekonferenz.

Scham überwinden

In der aktualisierten S3-Leitlinie »Screening, Diagnose und Behandlung alkoholbezogener Störungen« liege ein Fokus auf Früherkennung und Frühintervention, sagte Kiefer. Diese müssten flächendeckend etabliert und ausgebaut werden. »Aber 95 Prozent der Menschen mit Alkoholproblemen werden vom Arzt nicht danach gefragt.« Um die Scham zu überwinden werden, die das Thema umgibt, sollte der Alkoholkonsum beim Arzt standardisiert erhoben werden. »Dann fühlt sich der Einzelne nicht stigmatisiert und schon das Ansprechen beim Arzt ist eine erste Intervention.«

Zudem müssten Komorbiditäten viel stärker beachtet werden, denn beispielsweise Patienten mit Depression und Angststörungen sind deutlich stärker gefährdet. Der Psychiater plädierte für eine integrierte Therapie von Alkoholproblemen und psychiatrischer Erkrankung.

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