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Narkose und Komplikationen
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Mit OP-Angst richtig umgehen

Ein anstehender Krankenhausaufenthalt löst bei vielen Menschen Ängste aus – von der Sorge vor der OP bis zur Angst vor dem Kontrollverlust. Experten erklären die Ursachen und nennen Strategien, um die Anspannung zu reduzieren.
AutorKontaktPZ
AutorKontaktdpa
Datum 10.07.2026  08:00 Uhr

Kloß im Hals, Grummeln im Bauch oder ein Sorgenkarussell, das munter seine Runden dreht. Wer beim Gedanken an einen anstehenden Krankenhausaufenthalt Ängste erlebt, ist damit nicht allein.

Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) aus dem Jahr 2025 leidet etwa jeder Vierte in Deutschland unter Krankenhausangst. Teilgenommen hatten insgesamt 1879 Personen im Alter von 18 bis 70 Jahren.

Die Gründe für die Angst vor Operationen und dem Krankenhaus sind vielfältig. Für manche ist es die Sorge vor Komplikationen. Andere fühlen sich unwohl beim Gedanken an eine Vollnarkose. Und wieder andere fürchten einen Eingriff in ihre Intimsphäre – und haben etwa Sorge davor, in den ersten Tagen nach der OP nicht selbstständig auf die Toilette gehen zu können. »Viele Patienten haben bereits negative Erfahrungen gemacht und fürchten, dass sich diese wiederholen«, sagt Michael Volland. Er leitet die Projektgruppe »Angstfreies Krankenhaus« an der Klinik Waldfriede in Berlin.

Panikattacken oder Schlafstörungen

Aber nicht immer hat die Vergangenheit ihre Finger im Spiel. »Auch wenn man im Alltag nicht von Ängsten belastet ist, kann ein Krankenhausaufenthalt knifflig werden, weil man einen Teil der Kontrolle abgeben muss«, sagt Professor Dr. Dirk Wedekind. Er ist Oberarzt für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universitätsmedizin Göttingen. »Oft sind es Erwartungsbefürchtungen, das Gefühl, ein Stück macht- und ratlos zu sein, die zur Angst führen.«

Manchmal kann schon ein Perspektivwechsel auf die Angst guttun: Denn sie zeigt erst einmal nur an, dass eine besondere Situation vor einem liegt, der man sich stellen muss. Oft warten auf der anderen Seite, wenn etwa die Operation überstanden ist, Erleichterung und Stolz.

Ob in Form von Panikattacken oder schweren Schlafstörungen: Nehme die Angst vor dem Krankenhaus überhand, werde sie nicht nur zur enormen Belastung für Patientinnen und Patienten, sondern könne im Extremfall auch Auswirkungen auf den Erkrankungsverlauf und die Prognose haben, so Wedekind. Nicht zuletzt sorgen starke Ängste auch immer wieder dafür, dass Patienten wichtige Operationstermine absagen.

Wer also merkt, dass ein anstehender Klinikaufenthalt enorme Ängste auslöst, sollte sich am besten rechtzeitig um psychotherapeutische Unterstützung kümmern. Was kann man noch tun?

Vier Strategien, die helfen können

1. Die Angst beim Namen nennen

»Für viele Menschen ist es immer noch ein großer Schritt, Ängste zuzugeben. Es wird oft als Schwäche gesehen, Angst zu haben«, sagt Volland. Dabei sei eine offene Kommunikation der wichtigste Tipp, um den Sorgen zu begegnen – ob beim OP-Vorgespräch oder bei der Aufnahme auf der Station.

»Es ist gut, wenn man die Ängste offen und selbstbewusst ins Gespräch bringt. So wird man ernst genommen«, sagt Volland. Nur wenn das medizinische Personal informiert ist, kann es auf die Ängste reagieren und gemeinsam mit dem Patienten nach Lösungswegen suchen.

2. Informationen sammeln

Ein neues Umfeld, ungewohnte Abläufe und medizinische Fachbegriffe, bei denen einem die Ohren schlackern. Krankenhausangst ist oft auch eine Angst vor dem Unbekannten.

Da kann es helfen, möglichst viele Informationen zusammenzutragen. Sie tragen dazu bei, die Situation möglichst nüchtern und rational zu bewerten, erklärt Wedekind. »Je weniger Überblick man über die Lage hat, desto stärker kommen Affekte und Emotionen ins Spiel, die oft schwer zu kontrollieren sind.«

Während der Vorbereitungsgespräche vor einem Eingriff finde »eine große Vertrauensarbeit statt«, wie Volland es nennt. »Deswegen ermutige ich Patienten, alle Fragen zu stellen, die ihnen am Herzen liegen. Die Sorge, Umstände zu machen oder die Zeit des Arztes zu rauben, ist völlig unbegründet. Dafür ist der Arzt da.«

Informationsbedürfnis ist individuell

Berechtigt sei auch die Frage nach der Erfahrung von Arzt oder Ärztin. »Diese Information würde ich ebenfalls einfordern, um mir einen Eindruck zu machen«, sagt Volland, der als Chirurg tätig ist.

Auch Zweitmeinungen von anderen Ärzten oder differenzierte Informationen aus dem Internet können dabei helfen, sich ein besseres Bild der eigenen Situation zu machen.

Es gibt aber auch das Gegenteil: Manche Menschen haben kein Informationsbedürfnis, sondern fühlen sich besser, wenn sie eher wenig wissen. Wem es so geht, der sollte das kommunizieren. »Wir haben zwar eine Aufklärungspflicht und müssen natürlich mögliche Risiken einer Operation nennen. Aber man kann diese unterschiedlich gewichten«, so Volland.

3. Soziale Unterstützung suchen

Eine große Hilfe im Umgang mit Ängsten kann die Begleitung durch einen vertrauten Menschen sein. Es ist also eine gute Idee, Familie, Freunde und Co. mit ins Boot zu holen.

Zum Teil machen auch die Krankenhäuser selbst Unterstützungsangebote. Auf Angstpatienten spezialisierte Kliniken wie das Krankenhaus Waldfriede, wo Volland tätig ist, bieten etwa eine OP-Begleitung durch einen Seelsorger oder eine Seelsorgerin an. »Die Zeit vor der Operation ist für den Patienten oft nervlich am strapaziösesten. Dabei jemanden an der Seite zu haben, wird sehr geschätzt«, sagt der Mediziner.

In anderen Fällen, wie etwa bei lebensverändernden Diagnosen, könne die Begleitung durch einen Psychotherapeuten oder Psychiater sinnvoll sein, sagt Wedekind. So bieten viele Krankenhäuser psychoonkologische Beratungen an, die bei Krebsdiagnosen Orientierung geben können.

4. Entspannungstechniken nutzen

Ob Meditation, Atemtechniken, Hypnose, Lieblingsmusik – in vielen Fällen können Entspannungstechniken helfen, Stress abzubauen und Ängste zu reduzieren. Stehe ein Krankenhausaufenthalt an, könne es deshalb sinnvoll sein, vorher zu testen, welche Formen der Entspannung einem guttun, rät Volland.

»Bei ausgeprägter Angst ist es auch möglich, ein leichtes Einschlafmedikament zu bekommen und somit dem Körper die nötige Entspannung zu geben«, sagt Wedekind. Diesen Wunsch sollte man am besten schon im Vorgespräch anbringen.

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