Mit der Zeit drohen Nervenschäden – unter anderem, weil Lachgas die chemische Struktur von Vitamin B12 verändert. Der Körper kann das Vitamin, das für die Nervenfunktion wichtig ist, dann nicht mehr nutzen. Betroffene erleben etwa ein Kribbeln und Taubheitsgefühle an Händen und Füßen, auch Muskelschwäche und Gangstörungen sind möglich. Dazu kommt: Regelmäßiger und häufiger Konsum kann psychisch abhängig machen.
Wenn Sorge und Ängste groß sind, ist bei Eltern oft auch der Impuls stark, im Gespräch die lange Liste an Lachgas-Gefahren runterzurattern. Dieser Besserwisser-Modus kommt Lea Würzinger zufolge bei den Jugendlichen jedoch meist nicht gut an. »Und auch Anschuldigungen, Lautstärke oder Beschämungen erschweren ein verständnisvolles Gespräch.«
Haben Eltern und Kind einen guten Draht zueinander, erleichtert das Gespräche über einen etwaigen Konsum enorm. »Wenn Jugendliche wissen: «Ich kann auf meine Eltern zählen, auch wenn ich Mist baue», dann ist das immer ein Türöffner für sie, auch über schwierige Dinge zu sprechen«, sagt Lea Würzinger.
Wichtig ist erst einmal, dass der Rahmen für das Gespräch stimmt. Es sollte also kein Zeitdruck herrschen. Oft ist auch ein Gespräch unter vier Augen hilfreicher als eines unter sechs Augen. Orientieren können sich Eltern beim Gesprächseinstieg an der sogenannten Sandwich-Methode. Dabei starten Eltern mit einer positiven Aussage ins Gespräch, ehe sie das kritische Thema etwa als Sorge oder Beobachtung platzieren, zum Beispiel so: »Letztens hat eine Freundin erzählt, dass ihr Sohn Lachgas genommen hat. Kennst du das auch?« Im Anschluss folgt dann eine positive Botschaft wie: »Du bist mir wichtig und ich will wissen, was dich beschäftigt.« Generell gilt: Die Grundhaltung »wir beide gegen das Problem« führt meist weiter als »wir beide gegeneinander«.
Hilfreich kann sein, dem Jugendlichen eine Expertenrolle zuzuweisen, etwa indem man sich als Mutter oder Vater vom Kind erklären lässt, was es zum Thema Lachgas weiß. Das signalisiert Wertschätzung und ermöglicht einen Austausch auf Augenhöhe.
Eine weitere Strategie, die Lea Würzinger vorschlägt: gemeinsam mit dem Nachwuchs in die Recherche zum Thema einsteigen, nach dem Motto »Lass' uns doch mal gemeinsam informieren, dann kann ich auch etwas lernen.«
Die Expertin rät Eltern außerdem, externe Hilfsangebote in Betracht zu ziehen. »Wenn die Situation überfordert und ein Gespräch in Ruhe gar nicht möglich ist, ist es immer angebracht, eine Elternberatung in Anspruch zu nehmen oder dem Jugendlichen eine Jugendberatung ans Herz zu legen.« Das gilt gerade dann, wenn es schon Ausfallerscheinungen oder Hinweise auf eine Abhängigkeit gibt.