| Johanna Hauser |
| 21.07.2026 14:00 Uhr |
Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe hat in Zusammenarbeit mit einer Reihe von Fachgesellschaften die S3-Leitlinie »Diagnostik und Therapie des Descensus genitalis der Frau« aktualisiert. Diese befasst sich eingehend mit dem Thema Diagnostik, um eine adäquate Therapie ermöglichen zu können – auch mit Blick auf Frauen mit noch nicht abgeschlossener Familienplanung. Der Leitlinie zufolge umfasst die Diagnostik immer die Anamnese und eine klinische Untersuchung, meistens eine Ultraschalluntersuchung des Beckenbodens und häufig auch der Nieren, manchmal andere bildgebende Verfahren wie Defäkografie (bildliche Darstellung des Enddarms) oder dynamische Magnetresonanztomografie.
Wird eine Genitalsabsenkung festgestellt, sind neben der Sanierung des Descensus die gleichzeitige Sicherung oder Wiederherstellung der Kontinenz wichtige Ziele der Therapie. Als konservative Therapien stehen Beckenbodentraining, Hormonersatztherapie oder der Einsatz von Pessaren zur Verfügung.
Mit einem Pessar können die abgesunkenen Beckenorgane gestützt werden. Nicht alle Pessare sind Ringe; es gibt auch scheiben- oder würfelförmige Modelle. / © Getty Images/Sakurra
Pessare sind scheiben-, ring- oder würfelförmige Silikongebilde, die in die Scheide eingeführt werden, die abgesunkenen Beckenorgane stützen und Harnröhren- sowie Blasenwand unterstützen sollen. Diese Hilfsmittel sollten durch einen Gynäkologen sorgfältig angepasst werden, damit sie in ihrer korrekten Lage bleiben und keine Schmerzen oder Druckgefühl verursachen. Es gibt Pessare, die über längere Zeit an ihrem Ort verbleiben, und solche, die regelmäßig entfernt, gereinigt und wieder eingesetzt werden. Die Pessartherapie reduziert laut Leitlinie nicht nur die Prolapssymptomatik, sondern auch die Inkontinenz. Sie kann eine Operation bei vielen Patientinnen hinauszögern oder vermeiden.
Muss operiert werden, kommen je nach Ausprägung der Symptome und Lokalisation des Prolaps mehrere Möglichkeiten in Betracht. Die Leitlinie nennt unter anderem vaginale, abdominale und laparoskopische Methoden. Diese können wiederum mit Netzen zur Stabilisierung von Gewebe kombiniert werden oder mit einer (teilweisen) Entfernung von Organen wie Gebärmutter und Eierstöcken.
Eine umfassende Aufklärung der Patientin sei essenziell und sollte gut strukturiert die Vor- und Nachteile der verschiedenen Methoden darstellen, sagt Leitlinienkoordinatorin Dr. Kaven Baeßler von den Joseph Kliniken Berlin in einer Pressemitteilung zur Aktualisierung der Leitlinie. Dabei sollten auch die Erfolgsraten der verschiedenen Optionen, mögliche Komplikationen mit Art und Häufigkeit sowie Behandlungsmöglichkeiten besprochen werden.