Pharmazeutische Zeitung online
Covid-19-Impfungen

Ministerpräsident Kretschmer fordert Ende der Impf-Priorisierung

Im Rahmen des Sächsischen Apothekertags hat sich Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) am Montag für ein Ende der Impf-Priorisierungen ausgesprochen. Das bisherige Impfmanagement sei sehr kompliziert und »typisch deutsch«. Zudem äußerte sich Kretschmer skeptisch beim Thema Rx-Versandhandel. Darüber hinaus habe die Pandemie gezeigt, dass die Zusammenarbeit zwischen Heilberuflern und der Politik sehr wichtig ist, so die Teilnehmer einer Diskussionsrunde.
Charlotte Kurz
19.04.2021  17:42 Uhr

Seit einigen Wochen impfen niedergelassene Ärzte gegen Covid-19. Die Impfstoffbestellung und damit die Termingestaltung hat sich allerdings als kompliziert erwiesen. Auch aus diesen Gründen hatten sich zuletzt vermehrt Stimmen vor allem aus dem Ärztelager gemeldet, die eine baldige Abkehr der Impf-Priorisierungen fordern. Nun hat sich auch Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen, klar dazu geäußert. In einer Live-Debatte im Rahmen des Sächsischen Apothekertags debattierte Kretschmer mit dem Präsidenten der Sächsischen Apothekerkammer Friedemann Schmidt und dem Chef des Deutschen und des Sächsischen Apothekerverbands Thomas Dittrich über die Zukunft der Gesundheitsversorgung in Sachsen und in Deutschland.

Sachsen hatte bereits Ende vergangener Woche angekündigt,  ab dieser Woche allen Personen der dritten Priorisierungsgruppe ein Impfangebot machen zu wollen. In vielen Bundesländern werden bereits Über-60-Jährige mit Astra-Zeneca geimpft. Dass allerdings alle gelisteten Personen- und Berufsgruppen der dritten und damit letzten Priorisierungsstufe ein Impfangebot erhalten sollen, ist neu. Das bürokratische Prozedere der Priorisierung und des Impfmanagements nannte Kretschmer am Montag »typisch deutsch«. Allerdings stecke hinter der Impfreihenfolge auch eine »sehr kluge, ethische Abwägung«. Das mache es kompliziert, insbesondere, weil der Impfstoff derzeit Mangelware sei. »Jetzt kommen wir da hoffentlich raus«, so Kretschmer. Die Diskussionen, die derzeit in der öffentlichen Verwaltung ablaufen, wer wichtiger sei und als Erstes geimpft werden soll, müssten beispielsweise schnell beendet werden.

Er sei dafür die Priorisierung aufzuheben, sagte Kretschmer deutlich. Denn in etwa spätestens 10 Tagen gäbe es sehr viel Impfstoffe in den Arztpraxen, so der Ministerpräsident. Die niedergelassenen Ärzte müssten hier viel stärker in die Verantwortung gehen. »Je eher das passiert und je leichter das für die Ärzte auch ist, desto eher kommen wir auch auf hohe Zahlen. Ich wäre sehr dafür, wenn wir das möglichst schnell beenden würden«, fordert er in Richtung Berlin. Die Abschaffung der Impf-Priorisierung kann durch eine entsprechende Änderung der Coronavirus-Impfverordnung erfolgen, für die das Bundesgesundheitsministerium (BMG) zuständig ist.

Auch in Bezug auf die Rx-Arzneimittelpolitik fand Kretschmer deutliche Worte. »Ich gehe öfter zur Apotheke als zu Ärzten«, sagte er schmunzelnd und betonte, dass es sehr wichtig sei, dass Arzneimittel nicht nur per Post zugeschickt werden, sondern es auch jemanden gebe, »der immer da ist«. In Richtung Arzneimittelversandhandel sagte er, dass er sich bezüglich des Online-Handels keine weiteren Öffnungen wünsche, sondern eher noch die eine oder andere Sache zurückgedreht werden könnte.

Seite12>

Mehr von Avoxa